Integration: frühkindliche Bildung als Angelpunkt

8. Dialogforum 2016 an der Donau-Universität Krems diskutierte Innovationen zu Migration und Integration

13.07.2016

Krems (kpr). Vom 27. bis 30. Juni 2016 hat am Campus der Donau-Universität Krems bereits zum achten Mal in Folge das "Dialogforum" zu Fragen von Migration und Integration stattgefunden. Auch heuer kamen bei dieser Plattform für den Dialog hochrangige RepräsentantInnen aus Wissenschaft, Politik und Praxis zusammen und gaben Einblicke in die Beschäftigung von gesundheitlich eingeschränkten Personen, ökonomische Analysen zur Wirkungsweise der Fluchtmigration sowie in ihre Erfahrungen mit der Integration von Flüchtlingen in Österreich. Tenor: Integration müsse bei der frühkindlichen Erziehung ansetzen.

Bereits bei der frühkindlichen Erziehung müsse eine effektive Integrationspolitik ansetzen, so die Übereinkunft der TeilnehmerInnen am achten Dialogforum. Die Initiatorin der Veranstaltung, Univ.-Prof. Gudrun Biffl, Leiterin des Departments für Migration und Globalisierung der Donau-Universität Krems strich zu Beginn der viertägigen Veranstaltung die Rolle des Kindergartens für die Förderung der Leistungsfähigkeit der Kinder aus unterschiedlichen Herkunftsregionen und Milieus hervor. Neueren Forschungen zufolge, so Biffl, könnten auch Kinder aus schwierigen Verhältnissen bei der nötigen Unterstützung erfolgreich in der Schule und im Umgang mit neuen Herausforderungen sein. Besonders wichtig sei allerdings die Vernetzung und Unterstützung der Eltern und KindergartenpädagogInnen zusätzlich zur Förderung der Kinder, so Biffl.

 

Förderung des Zugehörigkeitsgefühls

Die Bundesministerin für Familien und Jugend, Dr. Sophie Karmasin unterstrich in ihrem Beitrag die Wichtigkeit der frühkindlichen Erziehung für den späteren Bildungsverlauf. Sie betonte, dass sie in ihrer politischen Arbeit der Förderung der Bildungs- und Betreuungsarbeit der Kinder im vorschulischen Alter ein besonderes Augenmerk schenkt. Insbesondere bei Kindern aus bildungsfernen Familien wirkt sich ein ausgedehnter Kindergartenbesuch positiv aus. Dabei geht es nicht nur um die sprachliche Frühförderung unter Einbeziehung der Eltern sondern vor allem auch um die Förderung des Zugehörigkeitsgefühls und der Mitwirkung im größeren sozialen Umfeld. Ein entscheidender Faktor sei jedoch die Qualität der Betreuungsangebote – daher investiert der Bund rund 305 Millionen Euro in den qualitativen und quantitativen Ausbau der Kinderbetreuung.

In der anschließenden Diskussion wurden erfolgreiche Praxisbeispiele vorgestellt. Diese zeigten, dass Kinder aus benachteiligten Milieus von einer umfassenden, ihr familiäres Umfeld einschließenden Unterstützung, in ihrer kognitiven, motorischen und Verhaltensentwicklung stark profitieren und damit der Übergang in die Schule erfolgreich verläuft. Sogar der spätere berufliche Entwicklungspfad wird von den Investitionen in die frühkindliche Erziehung positiv beeinflusst.

 

Bedarf nach Regelinstrumentarium

Am Tag zwei dokumentierten Univ.-Prof. Gudrun Biffl, Mag. Matthias Till von der Statistik Austria und Dr. Fritz von Nordheim von der Europäischen Kommission die Möglichkeiten und Herausforderungen der Integration von gesundheitlich eingeschränkten Arbeitskräften ins Erwerbsleben in Österreich und Europa. Vorgestellt wurden diverse gute Praxisbeispiele der Förderung der Erwerbsintegration von älteren gesundheitlich eingeschränkten Personen mit und ohne Migrationshintergrund in EU-Mitgliedsländern. Die Diskussion zeigte den Bedarf nach Regelinstrumentarium, derartige Modelle systematisch in die Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik in Österreich einbinden zu können.

 

Erträge der Flüchtlingsintegration

Der Mittwoch widmete sich Fragen zur ökonomischen Wirkungsweise der Fluchtmigration. Dr. Doris Ritzberger-Grünwald von der Österreichischen Nationalbank gab einen Einblick in die ökonomischen Modellrechnungen, die Kostenkomponenten ebenso wie die möglichen Erträge der Flüchtlingsintegration für Wirtschaft und Gesellschaft. Dabei wurde deutlich, dass die Unterstützungs- und Integrationsbemühungen einen wirtschaftlichen Wachstumsschub auslösen, da u.a. neuer Wohnraum geschaffen wird, Unterkünfte renoviert werden, zusätzliche BeraterInnen und SozialarbeiterInnen ebenso wie neues Personal für Asylverfahren aufgenommen werden. Davon profitiere die österreichische Wirtschaft ebenso wie die Beschäftigung, so die TelnehmerInnen. In weiterer Folge könnten investive Ausgaben in die Aus- und Weiterbildung von Flüchtlingen zu einer nachhaltigen Integration der Flüchtlinge führen und den sozialen Zusammenhalt, der für das gesellschaftliche Wohlbefinden wichtig ist, fördern.

 

Hindernisse bei der Beschäftigung

Dr. Torben Krings von der Johannes Kepler Universität Linz gab im Anschluss einen differenzierten Einblick in die Beweggründe von Betrieben im Einzelhandel, der Gastronomie und am Bau zur Beschäftigung von Flüchtlingen. Die größten Hindernisse für eine Anstellung sind Krings zufolge neben mangelnden Deutschkenntnissen die Qualifikationen bzw. Kompetenzen, die meist nicht ohne weiteres im Betrieb einsetzbar sind, der unsichere Aufenthaltsstatus, der Mehraufwand bei der Einschulung, aber auch eine schlechte Auftragslage.

Integrations-Landesrat Rudolf Anschober und Vorstandsmitglied des AMS, Dr. Johannes Kopf gaben anschließend in einer Podiumsdiskussion Einblick in ihre jeweiligen Bemühungen, die Flüchtlinge bei ihrer Integrationsarbeit zu unterstützen.

 

Von international bis regional

Am letzten Tag des Forums spannten Mag. Udo Janz, als ehemaliger UNHCR Direktor in New York, Mag. Petra Ramsauer, Journalistin und Autorin und Dr. Andreas Steinmayr von der Ludwig Maximilian Universität München einen weiten Bogen von den internationalen Herausforderungen der Fluchtmigration bis zu den Landtagswahlen in Oberösterreich, die im Schatten der Flüchtlingswelle 2015 stattgefunden haben und die das Wahlverhalten beeinflusst haben.

 

EU-Regelungen und Entwicklungszusammenarbeit

In einer anschließenden Podiumsdiskussion mit hochrangigen Vertretungen von Bund, Land, Gemeinde und NGOs wurde das Ineinandergreifen der Organisationsstrukturen und Ebenen verdeutlicht. Im Fokus standen dabei das Zusammenleben in der Vielfalt in Österreich ebenso wie der gesellschaftliche Wandel in den Herkunftsstaaten, das Schlepperwesen und die vielfältigen Auslöser der Flucht. Es wurde deutlich, dass es einerseits eine einheitliche EU-weite Regelung der Migrationen generell und der Fluchtmigration im Besonderen brauche, andererseits aber auch eine Entwicklungszusammenarbeit mit Quellenländern von Flüchtlingen, die Unterstützungen von einer Stabilisierung der staatlichen Funktionsmechanismen abhängig machen.
In einem abschließenden Resümee bedankt sich Gudrun Biffl bei den Vortragenden ebenso wie den TeilnehmerInnen für die vielen Anregungen zur Verbesserung der Organisationsstrukturen und Funktionsmechanismen von Migration und Integration, die sie in ihre politische Beratungstätigkeit einfließen lassen wird.

Das neunte Dialogforum 2017 wird sich vorrangig mit der Frage des Vertrauens und der Vertrauen stiftenden Maßnahmen auseinander setzen.

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