Beschreibung
Das Kabarett als soziale und mediale Praxis. Österreichischen Bühnengeschehen 1955–2000 Größerer Forschungskontext / Theoretischer Rahmen Das Projekt verfolgt einen historisch-praxeologischen Zugang und verknüpft Literatur-, Theater- und Kul-turwissenschaft mit Archivstudien sowie Forschung zu Kabarett, Stand-Up und Populärkultur. Deutsch-sprachige Studien sind vorwiegend historiografisch; theoriebasierte, medien- und sozialanalytische Arbei-ten fehlen. Internationale Forschung ist begrenzt, doch Stand-Up-Forschung und feministische Come-dy-Analysen bieten wichtige Anschlussmöglichkeiten. Ziel ist eine praxeologische, empirisch fundierte Perspektive auf Praktiken, Medienkontexte und Repräsentationen. Hypothesen / Forschungsfragen / Ziele Das Projekt will das österreichische Kabarett 1955–2000 erstmals historisch-praxeologisch erfassen, Praxen, Medien, Diskurse und unterrepräsentierte Gruppen systematisch analysieren und einen methodi-schen Apparat liefern. Die leitende Hypothese ist, dass das Kabarett sich über routinisierte soziale und mediale Praktiken mehr als über Theorien zu Komik erklären lässt. Im Detail bedeutet das, dass medialer Infrastrukturwandel (Radio, Fernsehen, Privatfernsehen etc.) Aufführung und Rezeption formt und paralle-le Möglichkeitsräume durch die Wechselwirkung von Medien, Diskursen und marginalisierten Ak-teur:innen entstehen. Archivische Materialitäten ermöglichen eine phänomenadäquate Rekonstruktion performativer Routinen. Ansatz / Methoden Die historische Praxeologie untersucht routinisierte soziale Praktiken; im Kabarett beziehen sie Men-schen, Körper, Artefakte, Räume, Sprache und Medien ein. Praktiken sind wiederholbare, situierte Vollzü-ge, die Wissen inkorporieren und performativ wirken. Für das Projekt sind materielle Bedingungen (Bühne, Requisiten, Technik etc.), körperliche Routinen (Gesang, Pausen, Mikrofongebrauch etc.), diskursive For-mationen (Bühnenfiguren, Publikumsansprache, Politikbezug etc.) und mediale Übertragungen zentral. Es nutzt historische Quellen und betont dingliche Materialität, weil Performanz nur medial überliefert ist. Die gesicherte Archivbestände erlauben nun eine praxeologische, phänomenadäquate Perspektive, wobei Materialien als Gebrauchsspuren praktischer Routinen gelesen werden. Neuheits- und Innovationsgrad Das Projekt schließt eine Forschungslücke zur Theorie und Praxis des Kabaretts, indem es von Fragen nach Komik zu praxeologischen Praktiken übergeht und Kabarett als Feld zwischen Innovation und Kon-vention begreift. Der Zeitraum 1955–2000 ist zentral: Beginn der ORF-Fernsehpräsenz, Studioauftritte, mediale Wechselwirkungen, Ende des TV-Monopols und politischer Wandel 2000 prägen das Untersu-chungsfeld. Das Projekt beschreitet auf allen Ebenen Neuland: Es erschließt das österreichische Kabarett der Nachkriegszeit erstmals theoretisch-systematisch, setzt – erstmals im Rahmen einer theatersoziolo-gischen Herangehensweise – die theoretische und methodische Herangehensweise der historischen Pra-xeologie in diesem Umfang ein und erschließt erstmals noch weitgehend unbekannte Archivbestände. Wesentlich beteiligte Wissenschaftler:innen Dr. phil. Mario Huber.
Details
| Projektzeitraum | 01.07.2026 - 30.06.2029 |
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| Fördergeber | FWF |
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| Projektverantwortung (Universität für Weiterbildung Krems) | Dr. Mario Huber, BA BA MA |