Wie können Doktoratsprogramme die Internationalisierung von Hochschulen und Wissenschaft fördern? Und wie wirken sich disziplinäre Kulturen auf die Entwicklung strukturierter Doktoratsausbildungen aus?
Diesen Fragen widmet sich die aktuelle Publikation „Internationalisation of higher education and science by structured doctoral education“ von Corinna Geppert, Barbara Hoenig und Attila Pausits, die soeben in der Fachzeitschrift Tertiary Education and Management erschienen ist. Die Studie vergleicht die Entwicklung strukturierter Doktoratsprogramme an österreichischen Technischen Universitäten und Kunstuniversitäten und zeigt, dass sich Internationalisierungsstrategien, Governance-Modelle und Umsetzungsformen deutlich unterscheiden.
Aufbauend auf einer österreichweiten Studie zur Doktoratsausbildung
Die Publikation baut auf den Ergebnissen des vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) beauftragten Forschungsprojekts „Erhebung und Analyse der Auswirkungen der gesetzten Maßnahmen zur Weiterentwicklung sowie Empfehlungen zum qualitativen Ausbau der Doktoratsausbildung an öffentlichen Universitäten“ auf. Das Projekt wurde am Department für Hochschulforschung der Universität für Weiterbildung Krems durchgeführt und untersuchte die Auswirkungen der Einführung strukturierter Doktoratsausbildungen an österreichischen Universitäten sowie deren Weiterentwicklungspotenziale.
Die zugrundeliegende Studie kombinierte eine österreichweite Erhebung an allen öffentlichen Universitäten, qualitative Fallstudien, Dokumentenanalysen sowie Analysen zu Karrierewegen von Doktorand_innen. Ziel war es, Veränderungen seit der Einführung der Universitätsfinanzierung NEU sichtbar zu machen und evidenzbasierte Empfehlungen für die Weiterentwicklung der Doktoratsausbildung zu entwickeln.
Zwei unterschiedliche Kulturen der Doktoratsausbildung
Die nun veröffentlichte Analyse zeigt, dass technische und künstlerische Disziplinen unterschiedliche Entwicklungslogiken verfolgen.
Technische Universitäten konzentrieren sich vor allem auf:
- Qualitätssicherung und Standardisierung,
- Mentoring- und Unterstützungsangebote für Doktorand:innen,
- strukturierte Betreuungsmodelle sowie
- internationale Forschungskooperationen und Joint-PhD-Programme. Kunstuniversitäten hingegen stehen stärker vor der Aufgabe,
- das Forschungsfeld der künstlerischen Forschung weiterzuentwickeln,
- neue Doktoratsstrukturen aufzubauen,
- disziplinspezifische Forschungsprofile zu stärken und
- internationale Perspektiven durch internationale Lehrende, Expert:innen und Doktorand:innen in die Programme einzubinden.
Internationalisierung folgt unterschiedlichen Strategien
Besonders deutlich werden die Unterschiede im Bereich der Internationalisierung. Während technische Universitäten auf internationale Forschungsnetzwerke, europäische Förderprogramme und gemeinsame Doktoratsprogramme setzen, verfolgen Kunstuniversitäten häufiger Ansätze der „Internationalisation at Home“. Dazu zählen internationale Gutachter_innen, Gastwissenschaftler_innen, internationale Boards sowie die gezielte Rekrutierung internationaler Doktorand_innen.
Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Internationalisierung nicht nach einem einheitlichen Muster erfolgt. Vielmehr hängen Strategien und Organisationsformen eng mit den jeweiligen wissenschaftlichen Kulturen und dem Entwicklungsstand der Institutionen zusammen.
Implikationen für Hochschulpolitik und Hochschulmanagement
Die Autor_innen argumentieren, dass die Weiterentwicklung strukturierter Doktoratsprogramme eine Balance zwischen gemeinsamen Qualitätsstandards und disziplinspezifischer Flexibilität erfordert. Standardisierte Vorgaben können Transparenz und Qualität fördern, müssen jedoch ausreichend Spielraum für unterschiedliche wissenschaftliche Traditionen und Forschungspraktiken lassen.
Die Studie leistet damit einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion über die Zukunft der Doktoratsausbildung und die Internationalisierung des europäischen Hochschulraums.
