Die Graphische Sammlung Göttweig ist mit über 30.000 Blättern die größte österreichische Privatsammlung historischer Druckgraphiken. Der überwiegende Teil des Bestandes stammt aus der Renaissance- und Barockzeit und umfasst Arbeiten von deutschen, niederländischen, italienischen, französischen und englischen Meistern. Bis in die Gegenwart wird die Sammlung durch historische Blätter und ausgesuchte moderne Druckgraphik ergänzt und erweitert.
Die digitale Erschließung der Graphischen Sammlung unter der Leitung von Prof. Dr. habil. Oliver Grau ist ein Projekt des Zentrums für Bildwissenschaften der Donau-Universität Krems in Kooperation mit dem Stift Göttweig. Im Digitalisierungs-Center des Zentrums wurden bis 2012 die Gemälde und Graphiken mit neuer Technik in sehr hoch aufgelöster Form (bis zu 72 Millionen Pixel) aufgenommen. Die Bestände wurden 2002 dem Zentrum für Bildwissenschaften (ZBW) der Donau-Universität Krems zur Bearbeitung, Erschließung und für Studienzwecke zur Verfügung gestellt. Seit 2007 ist die Sammlung online und wird bis heute im Digital Humanities Lab u.a. durch Virtuelle Ausstellungen erschlossen. Hauptergebnisse der Pionierforschung wurden durch Prof. Grau erstmals 2011 gemeinsam mit den Digitalisierungsprojekten von British Museum, Gemäldegalerie Berlin, Rijksmuseum und Uffizien auf einer internationalen Tagung in der Herzog August Wolfenbüttel vorgestellt und diskutiert.

 

Frühe Sammlungstätigkeit

Das Benediktinerstift Göttweig wurde 1083 gegründet. Der Bestand der Graphischen Sammlung basiert auf Erwerbungen durch verschiedene Konventsmitglieder seit dem 15. Jahrhundert. Erstmalige Nachricht von Graphiken im Stift Göttweig gibt eine Archivaufzeichnung aus dem Jahr 1612, die von einigen „Täfelein von Kupferstich“ berichtet, die Abt Gregor I. Schedler (reg. 1604-10) zur Wanddekoration anschaffen ließ. Seine Amtsnachfolger fügten der langsam anwachsenden Sammlung weitere Graphiken hinzu. So ließ Abt Gregor II. Heller (reg. 1648-69) unter anderem den bekannten Kupferstich der Panoramaansicht des Donautals mit dem Stift Göttweig von Matthäus Küsel anfertigen und kaufte mehrere hundert Kupferstiche an.

Als eigentlicher Gründer der Sammlung gilt Abt Gottfried Bessel (reg. 1714-49), der als Diplomat, Wissenschaftler und Kunstmäzen tätig war und unter anderem jene bedeutende Kupferstichserie von Salomon Kleiner (1700-1761) in Auftrag gab, welche die neukonzipierte barocke Stiftsanlage von Johann Lucas von Hildebrandt (1668-1745) in 15 Stichen abbildete. Die gezielten Ankäufe durch Abt Bessel erweiterten den damaligen Sammlungsbestand um über 20.000 Blätter. Wie die erhaltene Korrespondenz Bessels dokumentiert, war er für Kauf und Tausch von Graphiken mit Einzelpersonen und Institutionen im In- und Ausland in regen Kontakt. Der in sich geschlossene Grundbestand, der durch die Sammlertätigkeit einer einzelnen Person zusammengetragen wurde, macht die Sammlung zu einem hervorragenden Studienobjekt barocken Mäzenatentums.


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