27.05.2026

Nachbericht | Podiumsdiskussion

„Der innere Kompass. Wie Führungspersönlichkeiten Unternehmen im Wandel prägen“

Zwischen Transformation, Sinnsuche und unternehmerischer Verantwortung

Am 20. Mai 2026 lud der Alumni-Club der Universität für Weiterbildung Krems zur „Blue Hour“ ins Gesellschafts- & Wirtschaftsmuseum Wien. Die Wahl des Veranstaltungsortes war bewusst getroffen: Das Museum steht in enger Verbindung mit dem Werk Otto Neuraths, dessen Ansatz zur Visualisierung wirtschaftlicher Zusammenhänge bis heute als Meilenstein moderner Wissensvermittlung gilt. Damit bildete das Museum einen passenden Rahmen für die Veranstaltung, welche sich mit Orientierung, Kommunikation und Führung in Zeiten des Wandels beschäftigte.

Nach einer exklusiven Führung durch die aktuelle Ausstellung des Gesellschafts- & Wirtschaftsmuseums diskutierten Expertinnen und Experten aus Wissenschaft und Unternehmenspraxis über Werte, Sinnorientierung, mentale Gesundheit und persönliche Verantwortung in Führungspositionen. Moderiert wurde die Podiumsdiskussion von Dr. Lukas Zenk, MSc, Professor für Innovationsforschung an der Universität für Weiterbildung Krems. Zu Gast waren Dr. Marisa Mühlböck, Leiterin des Zentrums für Unternehmerische Nachhaltigkeit an der Universität für Weiterbildung Krems, Unternehmerin und Psychotherapeutin Marie Skrein sowie Mag. Gerlinde Tröstl-Katinger, Vorständin der Metagro Edelstahltechnik AG.
 

Was ein gelungenes unternehmerisches Leben ausmacht

Einen thematischen Überblick lieferte Marisa Mühlböck zu Beginn des Podiumsgesprächs. Sie präsentierte aktuelle Forschungsergebnisse zu unternehmerischem Wohlbefinden und zeigte auf, dass finanzielle Ziele allein für viele Unternehmer_innen nicht immer ausschlaggebend sind. Aspekte wie Selbstentfaltung, Selbstbestimmung, gelungene Beziehungen und Sinnhaftigkeit seien mindestens ebenso wichtig für ein erfülltes unternehmerisches Leben.

Dabei wurde das Unternehmertum als „Achterbahnfahrt“ beschrieben. Dieses sei oftmals geprägt von hoher Entscheidungsdichte, Unsicherheit und permanentem Wandel. Diese Dynamik beeinflusse nicht nur den wirtschaftlichen Erfolg, sondern auch die persönliche Lebensqualität von Führungspersönlichkeiten.

Mühlböck stellte im weiteren Verlauf ihres Vortrags zwei unterschiedliche Glückskonzepte vor: „Hedonia“, verstanden als kurzfristige Bedürfnisbefriedigung und „Eudaimonia“, das sogenannte Erfüllungsglück. „Eudaimonia“ basiert auf Sinn, Verbundenheit und persönlichem Wachstum und stellt somit das langfristig stabilere Modell für Organisationen aber auch Individuen dar.
 

Authentizität und Menschlichkeit in der Führung

Im Rahmen der Diskussion sprach Gerlinde Tröstl-Katinger darüber, wie sie ihren persönlichen „Fingerprint“ in ihre Führungsrolle einbringt. Für sie stehen authentische, menschliche und offene Kommunikation im Mittelpunkt guter Führung. Führungskräfte seien stets Vorbilder, sowohl im Umgang mit den Mitarbeiter_innen als auch im täglichen Handeln innerhalb eines Unternehmens.

Auch Marie Skrein betonte die Bedeutung persönlicher Haltung und Intuition. Auf die Frage, wie sie ihren eigenen „Glückstypus“ in ihr Unternehmertun einbringt, verwies sie auf die Bedeutung von persönlichem Gespür, insbesondere was die zwischenmenschliche Wahrnehmung betrifft. Entscheidend sei, ob sich Kund_innen und Mitarbeitende wohlfühlen. Vieles entstehe dabei intuitiv und aus einer inneren Haltung heraus. Ergänzend hob Tröstl-Katinger die Bedeutung von Selbstakzeptanz als Grundlage für authentische und stabile Führung hervor.
 

Führung braucht Selbstreflexion und eine gelebte Fehlerkultur

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Frage, wie Menschen in komplexen Veränderungsprozessen Orientierung finden können. Die Vortragenden betonten die Vielschichtigkeit menschlicher Erfahrung und die enge Wechselwirkung von Fühlen, Denken und Handeln. Neben rationalen Entscheidungen spielen subjektive Wahrnehmungen, Emotionen und körperliche Empfindungen eine wesentliche Rolle dabei, wie Menschen Veränderungen erleben und bewältigen.

Mit Blick auf die Zukunft wurde insbesondere die Bedeutung von Optimismus und Vertrauen in junge Menschen hervorgehoben. Junge Mitarbeiter_innen brauche man nicht nur als Talente, sondern als aktive Mitgestalter_innen von Veränderung. Dazu gehöre auch, Verantwortung zu übertragen und Räume zu schaffen, in denen ausprobiert werden kann und Fehler gemacht werden dürfen. Eine offene Fehlerkultur wurde dabei als wesentliche Voraussetzung verstanden.

Die Diskussion machte deutlich, dass moderne Führung nicht allein auf strategischen Fähigkeiten beruht. Gefragt sind ebenso Selbstreflexion, emotionale Kompetenz und die Fähigkeit, mit Unsicherheit konstruktiv umzugehen. Gerade in Zeiten technologischer und gesellschaftlicher Umbrüche gewinnt der „innere Kompass“ von Führungspersönlichkeiten zunehmend an Bedeutung.
 

Austausch und Networking

Beim anschließenden Ausklang nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich mit den Podiumsgästen direkt auszutauschen und zu vernetzen.

Podiumsgäste

Moderation

Lukas Zenk
Professor für Innovationsforschung am Department für Wirtschafts- und Managementwissenschaften an der UWK. In seinen anwendungsorientierten Forschungsprojekten untersucht er tiefgreifende Veränderungsprozesse in Organisationen.

Podiumsdiskutant_innen

Dr. Marisa Mühlböck
Leiterin des Zentrums für Unternehmerische Nachhaltigkeit an der Universität für Weiterbildung Krems. Sozial- und Wirtschaftswissenschafterin, ehemalige Sozialunternehmerin und Herausgeberin von „Sustainable Transformation and Well-being".

Marie Skrein
Inhaberin von Skrein, einem Schmuckgeschäft mit eigener Werkstatt in der Wiener Innenstadt. Gelernte Goldschmiedin und ausgebildete Psychotherapeutin.

Mag. Gerlinde Tröstl-Katinger
Vorständin der Metagro Edelstahltechnik AG in Hainfeld, NÖ. Zuvor mehr als zehn Jahre Geschäftsführerin der Markas GmbH, einem führenden Dienstleistungs- und Facility-Service-Unternehmen.


Mehr über die Podiumsgäste

Aufzeichnung der Podiumsdiskussion

Rückblick

Eine Aufzeichnung der Blue Hour vom 20. Mai 2026 steht Mitgliedern des Alumni Clubs unter diesem Link ohne zeitliche Einschränkung zur Verfügung. 

Sie sind noch kein Club-Mitglied? Dann können Sie die Aufzeichnung noch bis zum 4. Juni hier abrufen: Aufzeichnung

Zugangsdaten

Sie sind Alumni-Club Mitglied und haben Ihre Zugangsdaten nicht erhalten? Senden Sie uns ein Mail an alumni@donau-uni.ac.at, wir schicken Ihnen Ihre Zugangsdaten gerne erneut zu.

Eindrücke der Veranstaltung

Weiterführende Informationen

Sie interessieren sich für dieses Thema? Hier finden Sie weiterführende Informationen

Wie ist es um Ihren inneren Kompass bestellt?  
Welcher Glücks-Typ sind Sie? Wo liegen derzeit Ihre größten Herausforderungen und wo für Unternehmen generell? Sie haben die Möglichkeit hier den Glückstypen-Schnelltest herunterzuladen und an der Mentimeter-Umfrage aus der Veranstaltung teilzunehmen. 
  
Warum war Anna Sacher ein Beziehungs-Typus und Grete Wiesenthal ein Exzellenz-Typus?  

Wir haben ein Experiment gewagt und uns über ihre Biografien in die Schuhe historischer Persönlichkeiten versetzt. Auch wenn Sie nicht an der Führung im Gesellschafts- und Wirtschaftsmuseum teilnehmen konnten, finden Sie das Ergebnis hier
  
Sie möchten gerne ihr Wissen zum Thema „UnternehmerInnenglück“ erweitern?
Dann bleiben Sie mit dem Zentrum für Unternehmerische Nachhaltigkeit in Kontakt, um an zukünftigen Veranstaltunge

> Zum Zentrum

Datenschutzrichtlinien

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen der Veranstaltung und Ihren diesbezüglichen Rechten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

Zum Anfang der Seite