Coronavirus-Eindämmung durch Screening und Quarantäne

WissenschaftlerInnen der Donau-Universität Krems untersuchten in zwei Cochrane Reviews Maßnahmen, um die Ausbreitung des Coronavirus zu bremsen

16.09.2020

Die Reviews befassen sich mit Reihentestungen von symptomlosen Personen (Screening) und Quarantäne, um die Ausbreitung von SARS-CoV-2 einzuschränken. Wiederholtes Screening mit PCR-Tests kann Infektionen in Krankenanstalten reduzieren. Einmaliges Screening von symptomlosen Personen ist generell wenig wirksam. Quarantäne, vor allem in Kombination mit anderen Public Health Maßnahmen kann die Ausbreitung von COVID-19 verlangsamen.

Um das Coronavirus einzudämmen, setzen viele Länder Maßnahmen wie Quarantäne oder Screening um. Nun stehen die politischen EntscheidungsträgerInnen vor der Herausforderung zu bestimmen, welche Maßnahmen im Verlauf der Pandemie gelockert oder verstärkt werden.

Ein Team der Donau-Universität Krems untersuchte gemeinsam mit internationalen KollegInnen die Wirksamkeit von Screening- und Quarantäne-Maßnahmen.  

Screening-Strategien vergleichen

Das Team des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation, der UMIT Privatuniversität und RTI-International, USA fassten die Forschungsergebnisse verschiedener Screening-Strategien von Personen ohne Krankheitssymptomen zusammen. Die verschiedenen Screening-Strategien umfassten die Messung der Körpertemperatur, Fragen nach Symptomen, internationaler Reisetätigkeit oder Kontakt mit erkrankten Personen, oder Screenings mit verschiedenen Labortests.

Das Ergebnis einer mathematischen Modellierung zeigte, dass wöchentliches Screening von Gesundheitspersonal in Krankenanstalten mittels PCR-Tests, die Ausbreitung von SARS-CoV-2 auf Patientinnen und Patienten oder Gesundheitspersonal reduzieren kann. Beobachtungsstudien mit Daten von mehreren tausend Personen zeigten, dass einmalige Screeningmaßnahmen, wie das Messen der Köpertemperatur oder Fragen nach Symptomen, ungeeignet sind, um eine Ausbreitung von SARS-CoV-2 zu verhindern. Einmaliges Messen der Körpertemperatur, wie es an Grenzübergängen praktiziert wird, übersieht 80 bis 100 Prozent aller infizierten Personen. Es konnten keine Studien gefunden werden, die PCR-Screening außerhalb von Krankenanstalten untersuchten.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Verwendung von Gesundheitspersonal, um Körpertemperatur zu messen, kein sinnvoller Einsatz von Ressourcen ist, um SARS-CoV-2 Infektionen zu vermeiden. Es wäre sinnvoller dieses Personal für Contact Tracing oder die raschere Durchführung von PCR-Screening-Tests bei Personen, die mit SARS-CoV-2 Infizierten Kontakt hatten, einzusetzen“, so Univ.-Prof. Dr. Gerald Gartlehner, MPH, Koautor des Reviews und Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation.

Quarantäne verringert Inzidenz und Mortalität

Der zweite Cochrane Review wurde am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation im Auftrag der WHO und in Kooperation mit der UMIT Privatuniversität durchgeführt. Es handelt sich dabei um eine Aktualisierung eines bereits im April veröffentlichten Reviews. Seit April konnten 22 neue Studien gefunden werden. Die Studienergebnisse basieren Großteils auf mathematischen Modellierungen und einigen wenigen Beobachtungsstudien. Sie zeigen, dass Quarantäne von Personen, die Kontakt mit Infizierten oder Verdachtsfällen hatten, wichtig ist, um die Ausbreitung zu vermindern. Die Modellierungen schätzen, dass durch Quarantäne 44 bis 96 Prozent der Fälle und 31 bis 76 Prozent der Todesfälle vermieden werden könnten, je nach verwendeten Modellparametern.

„Die aktuelle Evidenz zu Quarantänemaßnahmen hat nicht die Aussagekraft, die wir uns wünschen würden. Doch die Ergebnisse aller Studien weisen konsistent auf einen günstigen Effekt von Quarantäne, vor allem im Verbund mit anderen Maßnahmen, hin“, sagt die Erstautorin des Rapid Reviews, Dr. Barbara Nussbaumer-Streit MSc BSc, Leiterin des Zentrums Cochrane Österreich an der Donau-Universität Krems. „Die Evidenz lässt jedoch keine Schlüsse zu, welche Kombination von Maßnahmen die beste Wirkung erzielt. Um ein bestmögliches Gleichgewicht der Maßnahmen zu gewährleisten, müssen EntscheidungsträgerInnen daher den Ausbruch und die Auswirkungen der umgesetzten Maßnahmen ständig überwachen und begleitend wissenschaftlich evaluieren.“

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