Trotz Ende des Lockdowns mehr neue Depressionen

Eine Studie der Donau-Universität Krems zeigt, dass rund neun Prozent der Befragten erst nach dem Lockdown neue Depressionen entwickelt haben

25.09.2020

In der Zeit des COVID-19-Lockdowns wies eine Studie des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit auf eine erhöhte psychische Belastung in der österreichischen Bevölkerung hin. Die Ergebnisse einer wiederholten Befragung im Juni zeigen, dass die depressive Symptombelastung trotz Lockerung der Ausgangsbeschränkungen weiterbestanden hat. Stress gepaart mit Einsamkeit spielen dabei eine zentrale Rolle.

Während des COVID-19-Lockdowns war die depressive Symptomatik der österreichischen Bevölkerung wesentlich höher als in früheren Studien vor der Pandemie. Von den über 1.000 StudienteilnehmerInnen, die während des Lockdowns Auskunft über ihre psychische Gesundheit gegeben haben, nahmen 445 Personen an einer zweiten Befragung von 11. bis 22. Juni 2020, mehrere Wochen nach Beginn der Lockerungen, teil.

Die Auswertung der Juni-Befragung zeigt eine weiterhin bestehende depressive Belastung in der österreichischen Bevölkerung auch nach Ende des Lockdowns. Die Ergebnisse der aktuellen Studie von Univ.-Prof. Dr. Thomas Probst, Universitätsprofessor für Psychotherapiewissenschaften, Dr. Sanja Budimir, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Univ.-Prof. Dr. Christoph Pieh, Leiter des Departments für Psychotherapie und Biopsychosoziale Gesundheit, wurden im renommierten Journal of Affective Disorders veröffentlicht.

Belastung durch Stress und Einsamkeit

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass von den 445 StudienteilnehmerInnen 18,2 Prozent erhöhte Depressionswerte (gemäß Screening-Fragebogen PHQ-9) im Lockdown und 22,2 Prozent nach dem Lockdown hatten. Weitere statistische Analysen veranschaulichen, dass die Anzahl neuer Depressionen nach dem Lockdown fast doppelt so hoch wie der Rückgang im Lockdown bestehender Depressionen war. Von den 445 StudienteilnehmerInnen lagen 4,7 Prozent während des Lockdowns über dem Schwellenwert für Depression (mind. 10 PHQ-9 Punkte) und erholten sich nach dem Lockdown wieder. Dafür waren nun 8,8 Prozent der 445 Personen über den Schwellenwert für Depression, die während des Lockdowns noch unter dem Schwellenwert lagen. Besonders betroffen von erhöhter depressiver Symptomatik nach dem Lockdown waren jene, die im Lockdown erhöhtes Stresserleben in Kombination mit verstärkter Einsamkeit durchlebt hatten.

„Unsere Ergebnisse legen nahe, dass auch nach Ende des Lockdowns schnell verfügbare psychotherapeutische Angebote nötig sind. Besorgniserregend ist, dass mehr neue depressive Fälle als Remissionen zu beobachten waren. Dies kann sowohl für verzögerte Folgen des Lockdowns als auch für Einflussfaktoren unabhängig vom Lockdown, z. B. Infektionsangst, sprechen. Sollten weitere Lockdowns nötig werden, sind psychische Hilfsangebote v. a. für Personen mit erhöhter Einsamkeit in Kombination mit starkem Stresserleben zentral, um nachfolgenden Depressionen entgegenzuwirken“, so der Spezialist für Psychotherapie, Thomas Probst.

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