Weltweite Schlaganfallversorgung durch COVID-19 gefährdet

Univ.-Prof. Brainin warnt vor weltweitem Rückgang der Schlaganfallversorgung

02.06.2020

Die Weltorganisation für Schlaganfälle (WSO) hat die Auswirkungen der Pandemie weltweit überwacht und einen ersten deutlichen Rückgang der Schlaganfallbehandlungen sowie weit verbreitete Auswirkungen auf Schlaganfalldienste festgestellt. In einigen Ländern wurden Rückgange um 50 Prozent bis zu 80 Prozent verzeichnet. Weiters wurde ein enormes Potenzial der Telemedizin in der Schlaganfallversorgung erkannt.

Die COVID-19-Pandemie betrifft die ganze Welt und hat enorme Auswirkungen auf die Schlaganfallversorgung. Zum einem scheinen SchlaganfallpatientInnen anfälliger für schwere Infektionen zu sein und müssen daher vor COVID-19-Infektionen besonders geschützt werden. Auf der anderen Seite hat die Pandemie auch erhebliche Auswirkungen auf die Art und Weise der Schlaganfallbehandlungen.

Die Veröffentlichung zweier Publikationen im International Journal of Stroke (IJS) und der Stroke and Vaskular Neurologie, unter Ko-Autorenschaft von Univ.-Prof. Dr. Michael Brainin, Leiter des Departments für klinische Neurowissenschaften und Präventionsmedizin sowie Präsident der World Stroke Organization (WSO), geben Aufschluss über die derzeitige Situation.

Anzahl akuter Schlaganfallaufnahmen gesunken

Eine WSO-Umfrage zeigt, dass es in mehreren Ländern, darunter Chile, Kolumbien, Iran, Griechenland, Großbritannien, Belgien und Italien, eine starke Verringerung der Anzahl akuter Schlaganfallaufnahmen gibt. Einige Länder verzeichnen einen Rückgang um bis zu 50 Prozent, manche sogar um 80 Prozent. Dies kann mehrere Gründe haben. Zum einem haben viele PatientInnen Angst sich mit COVID-19 anzustecken, zum anderem gibt es Bedenken, dass es nicht genügend ÄrztInnen gibt, welche die PatientInnen behandeln können.

Zudem gelang es nur wenigen Ländern ein umfassendes Angebot an Akut-Schlaganfall-Diensten aufrechtzuerhalten, die meisten haben hingegen eine bedeutende Umstrukturierung der Dienste erlebt. Die Neurologie- und Schlaganfallbetten einschließlich Intensivstationen werden an COVID-19-PatientInnen vergeben und die Schlaganfallstationen werden verlegt. Dies führt auch zu Therapieverzögerungen und im schlimmsten Fall verpassen SchlaganfallpatientInnen das Therapiefenster.  

COVID-19 und Schlaganfall

Ob das Virus SARS-CoV-2 das Schlaganfallrisiko erhöht, konnte noch nicht festgestellt werden. Umgekehrt könnte es auch Faktoren geben, die möglicherweise die Schlaganfallhäufigkeit verringern, wie der Rückgang der Umweltverschmutzungen. Die Umweltverschmutzung ist mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfälle verbunden, und eine Verringerung könnte möglicherweise vor Schlaganfall schützen.

Telemedizin bietet großes Potenzial

Während der COVID-19-Ausgangsbeschränkungen nutzen ÄrztInnen und Gesundheitsberufe vermehrt die Telemedizin. Die Telemedizin eignet sich nicht nur für die Abklärung von akuten Schlaganfällen, sondern auch für die ambulante Schlaganfall-Nachsorge. Diese Lösung vermeidet die Verwendung der erforderlichen Schutzausrüstung, ermöglicht eine angemessene Schlaganfallbewertung, vermeidet unnötige Transfers zwischen Einrichtungen und verringert das Expositionsrisiko für das Schlaganfallteam. Die Telemedizin soll auch in Zukunft in die Routineversorgung miteingebunden werden.

Den weltweiten Erfahrungsaustausch fördern

Durch den weltweiten Erfahrungsaustausch und die rasche Veröffentlichung der chinesischen Erfahrungen konnten Best-Practice-Richtlinien erstellt werden. Diese Best-Practice-Richtlinien bieten Anleitungen zur Behandlung von Schlaganfällen im Zusammenhang mit der Pandemie und schützen gleichzeitig die Beschäftigten im Gesundheitswesen. Diese Leitlinien werden im IJS von einer internationalen Zusammenarbeit aus 18 Ländern veröffentlicht.

 „Es ist wichtig, dass wir sicherstellen, dass die hochwirksamen Schlaganfalltherapien, die wir heute haben, trotz COVID-19 fortgesetzt werden. Der weltweite Erfahrungsaustausch dient zur gegenseitigen Unterstützung bei der Umsetzung bewährter Verfahren. Selbst wenn die COVID-19-Pandemie vorbei ist, bleiben die Folgen für den Schlaganfall und seine Behandlung wahrscheinlich bestehen. Wirtschaftliche Faktoren sind als Risiko für Schlaganfallhäufigkeit und -schwere anerkannt und die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID19-Pandemie werden voraussichtlich enorm sein“, so der Schlaganfallexperte Michael Brainin.

 

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