Energiearmut ist in Österreich längst kein Randphänomen mehr. Ausschlaggebend ist dabei meist nicht, wie viel Energie die Betroffenen verbrauchen, sondern das Zusammenspiel aus niedrigem Einkommen, hohen Energiekosten und schlechter Gebäudequalität. Darauf hat Tania Berger vom Department für Bauen und Umwelt der Universität für Weiterbildung Krems in ihrem Beitrag zu einer Pressekonferenz des NÖ Armutsnetzwerks in St. Pölten hingewiesen. Der Sanierung des Gebäudebestands kommt aus ihrer Sicht eine Schlüsselrolle zu.
Nach Angaben der Koordinierungsstelle zur Bekämpfung von Energiearmut (kea) waren im Jahr 2025 rund 13 Prozent aller Haushalte in Österreich von Energiearmut betroffen, das sind etwa 1,07 Millionen Menschen. Ein besonders hohes Risiko tragen Haushalte mit geringem Einkommen, Mieter_innen, Einpersonenhaushalte sowie Menschen in älteren, energetisch schlechten Gebäuden. Wer in einer schlecht gedämmten Wohnung lebt, braucht mehr Energie zum Heizen und läuft eher Gefahr, die eigene Wohnung im Winter nicht ausreichend warm zu bekommen.
„Energiearmut entsteht meist nicht, weil Menschen zu viel Energie verbrauchen, sondern weil sie in Wohnungen leben, die zu viel Energie benötigen“, sagt Berger. „Deshalb müssen Sanierung und Energiewende gerade jene Haushalte erreichen, die unter hohen Energiekosten besonders leiden.“
Sanierung ohne neue Belastungen
Energetische Verbesserungen können Heizkosten dauerhaft senken, die Gesundheit schützen und Energiearmut vorbeugen. Sie dürfen allerdings weder zusätzliche finanzielle Belastungen noch Verdrängungseffekte nach sich ziehen. Mit der Frage, ob energiearme Haushalte von der thermischen Sanierung von Mietwohnungen profitieren, hat sich Berger bereits 2019 in einer Fallstudie in Krems befasst, die im Fachjournal Energy Policy veröffentlicht worden ist. Soll die Energiewende sozial gerecht gelingen, müssen auch Haushalte mit niedrigem Einkommen von Sanierungsförderungen und Effizienzmaßnahmen profitieren können.
Wie knapp viele Menschen kalkulieren müssen, zeigt eine weitere Zahl: Laut kea und Statistik Austria geben 28,5 Prozent der Haushalte an, ihren Energiebedarf nur decken zu können, weil sie ihren Verbrauch eingeschränkt haben. Viele leben damit an der Grenze ihrer finanziellen Belastbarkeit.
Lücken und fehlende Anreize bei Förderungen
Mit Sanierungsförderungen und dem Sozialtarif für Strom verfügt Österreich grundsätzlich über wirksame Instrumente. Lücken bestehen dennoch: Viele Förderungen verlangen finanzielle Vorleistungen, kommen bei Mieter_innen nur eingeschränkt an oder berücksichtigen soziale Verwundbarkeit zu wenig. Wer armutsgefährdet ist und zur Miete wohnt, ist bei der Sanierung auf die Vermieter_innen angewiesen. Diese haben jedoch kaum einen Anreiz zu sanieren, weil sie von den niedrigeren Energiekosten ihrer Mietparteien nicht profitieren.
Wie wichtig die Qualität von Gebäuden ist, zeigt sich zunehmend auch bei der Hitzebelastung im Sommer. Menschen, die von Armut betroffen sind, wohnen häufiger in Wohnungen mit geringer thermischer Qualität und haben weniger Möglichkeiten, diese zu kühlen. Die zentrale sozialpolitische Herausforderung bleibt aber die Leistbarkeit von Wohnen und Wärmeversorgung. Gebäude, die im Winter mit weniger Heizenergie auskommen und im Sommer besser vor Überhitzung schützen, leisten einen wichtigen Beitrag zu sozialer Sicherheit und Gesundheit.
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