Statine werden häufig gegen hohen Cholesterinspiegel verschrieben, können als Nebenwirkung jedoch Muskelschmerzen verursachen. Da Coenzym Q10 oft als wirksames Gegenmittel gegen diese Beschwerden beworben wird, hat der Faktencheck-Service Medizin transparent an der Universität für Weiterbildung Krems die Studienlage dazu untersucht. Denn, ob das kostspielige Präparat hilft, ist wissenschaftlich betrachtet fragwürdig.
Die Analyse der verfügbaren Daten liefert hierzu eine klare Tendenz gegen eine spürbare Wirkung durch die Einnahme dieses Nahrungsergänzungsmittels. Die Untersuchung weist zudem darauf hin, dass die Ursachen für muskuläre Probleme vielfältig sein können und häufig der sogenannte Nocebo-Effekt eine Rolle spielen könnte.
Keine messbare Besserung der Beschwerden
Die Analyse von neun klinischen Studien mit insgesamt 456 Teilnehmenden zeigt ein ernüchterndes Bild: Coenzym Q10 scheint bei Statin-bedingten Schmerzen keine spürbare Hilfe zu sein. In einer Zusammenfassung der Ergebnisse stellte sich heraus, dass das Nahrungsergänzungsmittel die Beschwerden nicht stärker besserte als ein Scheinmedikament.
Ein Grund für die mangelnde Wirkung könnte die Aufnahme im Körper sein. Eine der untersuchten Studien zeigte durch Muskelbiopsien, dass geschlucktes Q10 zwar im Blut ankam, jedoch nicht im Muskelgewebe nachweisbar war. Es veränderte die Konzentration im Muskel nicht und fehlte somit genau dort, wo es eigentlich wirken sollte.
Die Rolle negativer Erwartungen
Interessanterweise deutet die Analyse auch darauf hin, dass die Schmerzen seltener durch das Medikament selbst verursacht werden könnten als vermutet. In Studien berichteten rund 26 von 100 Personen unter Placebo-Einnahme von Muskelschmerzen, während es unter Einnahme von Statinen rund 27 von 100 waren. Das bedeutet, dass bei lediglich 1 Prozent der Menschen die Schmerzen tatsächlich von den Statinen kamen.
Die Datenlage ist allerdings umstritten, da viele Untersuchungen auf diesem Gebiet von Pharmafirmen finanziert wurden und die Ergebnisse nicht selten im Widerspruch zu den realen Erfahrungen von Betroffenen und medizinischem Fachpersonal zu stehen scheinen. Auch der sogenannte Nocebo-Effekt könnte möglicherweise eine Rolle spielen. Allein die Befürchtung vor den im Beipackzettel genannten Nebenwirkungen kann dazu führen, dass Menschen diese Schmerzen spüren.
Methodische Unsicherheiten
Trotz der relativ eindeutigen Ergebnisse bleibt eine kleine Restunsicherheit bestehen, da die einzelnen Studien teils unterschiedliche Resultate lieferten und sehr verschieden aufgebaut waren. Dies betrifft etwa die verwendeten Dosierungen des Coenzyms Q10, die zwischen 100 und 600 Milligramm lagen, oder die Dauer der Einnahme.
Ob Statine überhaupt notwendig sind, hängt stark vom persönlichen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ab. Während sie bei zusätzlichen Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Rauchen sinnvoll sind, senken sie das Risiko bei ansonsten gesunden Menschen ohne weitere Faktoren in keinem relevanten Ausmaß.
Medizin transparent ist ein Projekt von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems. Das Team überprüft Gesundheitsbehauptungen aus den Medien und der Werbung auf ihren wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt. Der vollständige Faktencheck zum Thema Coenzym Q10 und Statine ist direkt bei Medizin transparent abrufbar.
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