10.02.2026

In Österreich und Deutschland ist schätzungsweise rund jeder fünfte Mensch irgendwann im Laufe seines Lebens von einer Depression betroffen. Symptome wie tiefe Niedergeschlagenheit, innere Leere oder quälende Ängste prägen den Alltag der Betroffenen. Der Faktencheck-Service Medizin transparent an der Universität für Weiterbildung Krems hat in diesem Zusammenhang eine große Übersichtsarbeit des Forschungsnetzwerks Cochrane zum Thema herangezogen. 

Der zugrunde liegende Cochrane-Review unter dem Titel „Exercise for depression“ bündelt die Daten von 2.189 Teilnehmenden aus 57 Studien. Die Zusammenfassung der Ergebnisse verdeutlicht: Geplante und strukturierte Bewegung – das reicht von Ausdauertraining wie Laufen und Radfahren bis hin zu Krafttraining – können möglicherweise Depressionen ein wenig lindern. 

Die in der Übersichtsarbeit zusammengefassten Studien, die Zeiträume von zehn Tagen bis zu einem halben Jahr umfassten, liefern Belege für diese Effekte. Zur Messung wurde das sogenannte Beck-Depressions-Inventar herangezogen, ein standardisierter Punkte-Score, um die Schwere einer Depression zu ermitteln. Während eine Differenz von 5 Punkten für Betroffene als spürbare Veränderung gilt, verbesserten sich die Werte durch regelmäßige Bewegung im Durchschnitt um 7,4 Punkte.

Vergleichbar mit klassischen Therapien

Besonders relevant in diesem Zusammenhang ist die Einordnung der Forschenden, dass Bewegung voraussichtlich ähnlich effektiv hilft wie eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Behandlung mit Antidepressiva. Dieser Vergleich basiert auf weiteren zehn Studien mit 414 Teilnehmenden zum Vergleich von Bewegung und Psychotherapie sowie auf fünf Studien mit 330 Teilnehmenden im Vergleich zu Antidepressiva. 

Während der Erfolg einer Psychotherapie oft von der individuellen Beziehung zum Fachpersonal abhängt, zeigt die Evidenzsynthese der Studiendaten also, dass körperliche Aktivität wahrscheinlich eine ernstzunehmende therapeutische Säule darstellen kann. Nebenwirkungen, dazu zählen Muskel- oder Gelenksbeschwerden, aber auch eine Verschlimmerung der Depression, traten dabei insgesamt selten auf.

Methodische Grenzen und offene Fragen

Trotz dieser positiven Ergebnisse bleibt laut Medizin transparent eine Restunsicherheit bestehen. So weisen die untersuchten Studien mitunter methodische Mängel auf, etwa die fehlende Verblindung des Studienpersonals oder eine unvollständige Datenerfassung. Dies schränkt die Aussagekraft der Ergebnisse ein.

Zudem bleiben wichtige Fragen für die Praxis offen: Es bleibt unklar, wie lange der positive Effekt nach Abschluss eines Trainingsprogramms anhält und ob Bewegung eine Depression langfristig bekämpfen könne. Auch inwieweit Sport Menschen mit schweren Depressionen hilft, für die der Antrieb zur Bewegung oft eine besondere Hürde darstellt, ist unklar. 

Medizin transparent ist ein Projekt von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems. Das Team überprüft Gesundheitsbehauptungen aus den Medien und der Werbung auf ihren wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt. Der vollständige Faktencheck zum Thema Sport gegen Depression ist direkt bei Medizin transparent abrufbar.

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