Kann die Einnahme von Lithium das Risiko für Demenz senken? Diese Behauptung kursiert seit einiger Zeit in Medien und Internet. Ein aktueller Faktencheck der Plattform Medizin transparent von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems zeigt jedoch: Die derzeitige Studienlage liefert keine belastbaren Belege für eine vorbeugende Wirkung. Gleichzeitig birgt Lithium gesundheitliche Risiken und sollte nur unter ärztlicher Aufsicht angewendet werden.
Für den Faktencheck analysierten die Forschenden die wissenschaftliche Evidenz zur Frage, ob Lithium vor Demenz schützen kann. Sie fanden dabei acht placebo-kontrollierte randomisierte Studien – das ist jene Studienart, die den zuverlässigsten Nachweis für die Wirksamkeit einer Behandlung liefern kann.
Widersprüchliche Studienlage
Die Ergebnisse zeichnen ein widersprüchliches Bild. Mehrere Studien stellten keinen Nutzen fest, andere lieferten nicht eindeutige Resultate. Lediglich eine Studie berichtete über eine mögliche Schutzwirkung, weist jedoch methodische Schwächen auf. Insgesamt gibt es daher keine belastbaren wissenschaftlichen Belege dafür, dass Lithium einer Demenz vorbeugen kann.
Keine Empfehlung zur Vorbeugung
Immer wieder wird im öffentlichen Diskurs auf Studien verwiesen, die einen Zusammenhang zwischen dem natürlichen Lithiumgehalt im Trinkwasser und der Häufigkeit von Demenz untersuchten. Berücksichtigen Forschende jedoch weitere Einflussfaktoren wie Bildung, Gesundheitsversorgung oder soziale Rahmenbedingungen, verschwindet dieser vermutete Zusammenhang in den meisten Fällen.
Hinzu kommt, dass Lithium keine harmlose Substanz, sondern in höherer Dosierung giftig ist. Als Nahrungsergänzungsmittel ist Lithium in der Europäischen Union daher nicht zugelassen. Als Arzneimittel wird es zur Behandlung bipolarer Störungen eingesetzt, muss dabei aber aufgrund möglicher schwerwiegender Nebenwirkungen regelmäßig ärztlich überwacht werden. Fakt ist: Lithium in höheren Dosen ist potenziell gefährlich, während für niedrig dosiertes Lithium, wie es in Nahrungsergänzungsmitteln vorliegt, kein wissenschaftlicher Nachweis für eine vorbeugende Wirkung gegen Demenz vorliegt.
Welche Alternativen gibt es?
Für die Einnahme von Lithium zur Vorbeugung von Demenz gibt es derzeit keine wissenschaftliche Grundlage. Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass körperlich und geistig aktive Menschen sowie Menschen mit guten Sozialkontakten seltener an Demenz erkranken. Ob diese Faktoren tatsächlich vorbeugend wirken oder lediglich mit einem geringeren Demenzrisiko in Zusammenhang stehen, ist aber bislang nicht geklärt. Die Forschung arbeitet intensiv daran, die Entstehung von Demenz besser zu verstehen und verlässliche Ansätze für Prävention und Behandlung zu entwickeln.
Medizin transparent ist ein Projekt von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems. Das Team überprüft Gesundheitsbehauptungen aus den Medien und der Werbung auf ihren wissenschaftlichen Wahrheitsgehalt. Der vollständige Faktencheck zum Thema Lithium und Demenz ist auf der Website von Medizin transparent abrufbar.
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