Fassaden: Auf Lebenszykluskosten achten

Studie der Donau-Universität Krems legt lebenszyklische Kostenbetrachtung im Fassadenbau nahe

06.10.2015

Krems (kpr). Entscheidungen über Ausführungsart und verwendete Materialien bei Fassaden werden in der Regel auf Basis der Errichtungskosten getroffen. Wie eine neue Studie der Donau-Universität Krems zeigt, greift das zu kurz. Werden Lebenszykluskosten betrachtet, können sich auch höhere Errichtungskosten rasch amortisieren. Die Ergebnisse der Studie werden am 15. Oktober in Linz vorgestellt.

Da Kosteneffizienz insbesondere im Wohnbau eine ganz wesentliche Rolle spielt, wird die Entscheidung über Ausführung, Materialien und Bauteile von Fassaden sehr häufig auf Basis der Errichtungskosten getroffen. Im Lebenszyklus von Gebäuden treten jedoch von der Fassade verursachte Folgekosten auf, die bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung mitberücksichtigt werden müssen. Der aktuelle Trend zur Lebenszyklusbetrachtung wird durch die EU-Vergaberichtlinie 2014/24/EU unterstützt, in der die Lebenszykluskosten-Berechnung als Methode zur Ermittlung des Bestbieters für öffentliche Auftraggeber beschrieben und empfohlen wird. Die Umsetzung der EU-Richtlinie in nationales Recht ist für 2016 durch eine Novellierung des Österreichischen Bundesvergabegesetzes (BVergG 2016) vorgesehen.

Folgekosten wie Reinigung und Wartung rücken in den Fokus

Unter der wissenschaftlichen Leitung von DI Dr. Helmut Floegl, Leiter des Zentrums für Immobilien- und Facility Management der Donau-Universität Krems, wurden jetzt anhand eines fiktiven mehrgeschoßigen Wohngebäudes die Lebenszykluskosten verschiedener Fassadensysteme – vier Ausführungsvarianten von vorgehängten, hinterlüfteten Fassaden (VHF) und zwei verschiedene Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) – nach ÖNORM B 1801-4 modelliert und analysiert. Die in den Rechnungen eingesetzten Kosten beruhen auf konkreten Angeboten, sämtliche Rechenannahmen wurden durch eine umfassende Literaturrecherche und ergänzende Expertenbefragungen abgesichert.

DI Christina Ipser, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Zentrum für Immobilien- und Facility Management, konzipierte und leitete die Studie. Ipser weist auf die Vielfältigkeit der Einflussfaktoren hin, die sich auf die Höhe der Folgekosten von Fassadensystemen auswirken: "Wichtige Parameter sind die Lebensdauer der Elemente, sowie Reinigungs- und Instandhaltungsintervalle. Diese sind jedoch nicht alleine vom System, sondern auch stark von äußeren Rahmenbedingungen abhängig." Für die Analyse der Lebenszykluskosten wurden daher jeweils mehrere Szenarien definiert, die diese Bandbreite gut abbilden.

Eine wesentliche Erkenntnis der Studie ist, dass die Errichtungskosten bei lebenszyklischer Betrachtung als Kriterium für Planungsentscheidungen an Bedeutung verlieren und andere Kriterien in den Vordergrund rücken. So können sich zum Beispiel höhere Errichtungskosten bereits bei der ersten größeren oder nach zwei bis drei kleineren Instandsetzungen amortisieren. Ästhetische oder konstruktive Aspekte, ökologische Anforderungen, die Wartungs- und Reinigungsintensität oder die Schadensanfälligkeit rücken damit als Entscheidungskriterien bei der Wahl des geeigneten Fassadensystems für jedes individuelle Gebäude stärker in den Fokus.

Präsentation der Ergebnisse beim 5. ÖFHF Themenabend

Finanziert wurde die Studie durch den Österreichischen Fachverband für hinterlüftete Fassaden (ÖFHF). Im Rahmen des 5. ÖFHF Themenabend "VHF am Puls" in Linz werden die konkreten Ergebnisse der Studie am 15. Oktober 2015 durch DI Dr. Helmut Floegl erstmals präsentiert. Die vollständige Studie kann nach der Veröffentlichung über den ÖFHF bezogen werden.

5. ÖFHF Themenabend „VHF am Puls“
Wann: 15. Oktober 2015, Beginn 18:00
Wo: Courtyard by Marriott Hotel Linz, Europaplatz 2, 4020 Linz
Anmeldung bis 10. Oktober 2015 an info@oefhf.at

Informationen zur Veranstaltung unter: http://www.oefhf.at/news-details/23

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