Ist Österreich fertig gebaut?
Aus- und Weiterbildungsangebot für die Sanierung, Aktivierung und Transformation des Gebäudebestands - dem Zukunftsfeld im Gebäudesektor
Leistbarer Wohnraum, klimaneutrales Bauen und der sorgsame Umgang mit der knappen Ressource Boden: Darüber, dass dies zentrale Zukunftsfragen sind, herrscht in Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Baubranche weitgehend Einigkeit. Die Sanierung, und Aktivierung des Gebäudebestandes ist eine Lösung für den Zielkonflikt zwischen der Bereitstellung von Flächen für neue Gebäude und der Eindämmung von Landschaftsversiegelung.
Baubestand mit hohem Sanierungsbedarf
Österreich zählt mehr als 2,4 Millionen Gebäude. Die Zahlen zeigen, warum der Bestand im Zentrum der Debatte steht:
- 90 % der Gebäude sind Wohngebäude
- 65 % davon Ein- oder Zweifamilienhäuser
- Fast drei Viertel aller Gebäude wurden vor 1980 errichtet und haben hohen Sanierungsbedarf
Die thermisch-energetische Ertüchtigung dieses Bestands ist eine zentrale Säule auf dem Weg zu den österreichischen Klima- und Energiezielen.
Eine europäische Initiative als Grundlage
Die EU verfolgt seit 2011 die BUILD UP Skills Initiative, mit dem Ziel Fachkräfte für das Erreichen der Energie- und Klimaziele zu qualifizieren. Die Initiative unterstützt nationale Bildungsprogramme, die Entwicklung neuer Aus- und Weiterbildungsangebote sowie harmonisierter Kompetenzstandards für Fachkräfte entlang der gesamten Wertschöpfungskette der energetischen Sanierung und des energieeffizienten Bauens.
Das Department für Bauen und Umwelt der Universität für Weiterbildung Krems ist an dieser europäischen Initiative beteiligt. Im Rahmen des 2024 abgeschlossenen Projektes ReBUSK (Reboot Build Up Skills) wurde eine umfassende Bestandsaufnahme des Gebäudesektors in Österreich erarbeitet. Diese beinhaltet u.a. eine detaillierte Sektorenanalyse (Quantifizierung von Gebäudebestands, Emissionen, Art der Wärmeversorgung etc.), inklusive Darstellung der energiepolitischen Rahmenbedingungen sowie einer detaillierten Erhebung und Analyse der Aus- und Weiterbildungslandschaft.
Darauf aufbauend wurde - in Abstimmung mit Vertreter:innen der Planungs- und Baubranche, sowie aus Bildung und Politik - eine nationale Roadmap erstellt, mit dem Ziel die Qualifizierung von Akteur:innen in allen Aus- und Weiterbildungsbereichen so zu gestalten, dass die angestrebten Klima- und Energieziele im Gebäudesektor erreicht werden können.
Insgesamt wurden in der Roadmap fünf strategische Handlungsfelder definiert, um die für einen klimaneutralen Gebäudesektor benötigten Kompetenzen und Qualifikationen aufzubauen. Diese betreffen unter anderem die Verankerung klimarelevanter Kompetenzen in Aus- und Weiterbildung, die Adressierung neuer Zielgruppen mit Bildungsangeboten sowie die gezielte Förderung der Teilnahme an Weiterbildungsangeboten.
Lehrgang: Gebäudesanierung – Strategien für klimaneutrale Bestandsgebäude
Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelt das Department für Bauen und Umwelt im Rahmen des EU Projektes AchieVE ZEB (Achieving Zero Emission Building Stock with Viable Educational Programs) das Certificate Program Gebäudesanierung – Strategien für klimaneutrale Bestandsgebäude.
Der akademische Kurzlehrgang vermittelt praxisrelevante Kompetenzen für die Transformation des Gebäudebestands in Richtung Klimaneutralität und richtet sich an Fachkräfte entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Bau- und Immobiliensektors.
Angesprochen werden insbesondere:
- Planer:innen,
- Energieberater:innen,
- Projektentwickler:innen,
- Facility- und Immobilienmanager:innen
- Personen aus angrenzenden Branchen
- motivierte Quereinsteiger:innen, die die nachhaltige Transformation des Gebäudesektors aktiv mitgestalten möchten.
Es setzt dabei auch bewusst einen Schwerpunkt auf die Förderung von Frauen und anderen unterrepräsentierten Personengruppen, um Diversität und Chancengleichheit in der Branche aktiv zu stärken.
Die Lehrinhalte verbinden technische Kompetenzen in den Bereichen Energieeffizienz, Bauphysik und Gebäudetechnik mit Grundlagenwissen zum Sanierungsprozess, Finanzierungsmodellen und rechtlichen Rahmenbedingungen sowie baukulturellen Fragestellungen rund um die Gestaltungsqualität, Nutzer:innen-Einbindung und dem Verständnis historischer Bauperioden.
Der interdisziplinäre Lehrgang verknüpft Themen aus Architektur, Ingenieurwesen, Energieberatung, Recht, Finanzierung und Kommunikation und bildet damit die reale Komplexität von Sanierungsprojekten ab – von der Bestandsanalyse über die Konzeptentwicklung bis hin zur Umsetzung und Qualitätssicherung.
Das didaktische Design im Blended Learning-Format mit Selbstlernphasen, interaktiven Präsenzphasen, projektorientiertem Arbeiten, Peer‑Learning Elementen und anderen innovativen Lehrmethoden unterstützt den Lernprozess und bietet die notwendige Flexibilität für eine berufsbegleitende Teilnahme. Das Board an Vortragenden besteht aus Forscher:innen, Expert:innen und erfahrenen Praktiker:innen, die ihr umfangreiches Wissen in den jeweiligen Fachgebieten teilen.
Gebäudesanierung wird als technische, gesellschaftliche und ökologische Aufgabe und kulturelle Praxis verstanden. Ein erster Pilotdurchgang wird im September 2026 abgeschlossen – ein zweiter Pilotdurchgang startet bereits im Oktober 2026. Die Erkenntnisse aus der Evaluierung und dem Feedback der Teilnehmer:innen hinsichtlich inhaltlicher Relevanz, Vortragsqualität, Eignung der gewählten didaktischen Methoden, etc. werden die Weiterentwicklung des Lehrganges weiter vorantreiben.
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