Mit der Gründung des Zentrums für Kulturen und Technologien des Sammelns (Center for Cultures and Technologies of Collecting) am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften setzt die Universität für Weiterbildung Krems ein Zeichen für die Relevanz der wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem kulturellen Erbe.
Die Forschung am Department für Kunst- und Kulturwissenschaften verbindet schon seit Jahren Theorie und Praxis des Sammelns. Dies findet sich etwa in der Arbeit des Zentrums für Museale Sammlungswissenschaften oder dem Archiv der Zeitgenossen wieder. Das neu gegründete Zentrum ist eine Konsequenz aus der Forschung der letzten Jahre, in denen sich Anja Grebe als Inhaberin der Stiftungsprofessur für Kulturgeschichte und Museale Sammlungswissenschaften mit ihrem Team mit den Sammlungen und Museen im digitalen Umbruch befasst hat.
Dabei geht es sowohl um Erschließung und Bewahrung von Sammlungsbeständen als auch um die Vermittlung, die immer häufiger auf moderne Technologien zurückgreift. So werden Besucher_innen „zu Hause abgeholt“ und Ausstellungsobjekte mittels digital-gestützter Visualisierungen zugänglich gemacht. Andererseits greifen die wissenschaftlich Forschenden selbst auf neueste Technologien zurück, wenn Bestände erfasst, bearbeitet und ausgewertet werden sollen. Das Projekt “In/Tangible European Heritage – Visual Analysis, Curation and Communication” (kurz: InTaVia), das aus Mitteln der EU-Kommission gefördert wird, kann als Beispiel für diese Arbeit gelten. Das am Zentrum verankerte Projekt vereint Wissenschaftler_innen der Universität Krems und anderer Forschungseinrichtungen, die sich der Visualisierung von Kulturdaten widmen. Im FTI-Projekt Kloster_Musik_Sammlungen wurden die musikalischen Sammlungen dreier Klöster erschlossen, erforscht und für die nicht zuletzt digitale Vermittlung aufbereitet, wobei interdisziplinäre Sammlungszugänge zum Tragen kamen. Ein starker interdisziplinärer, naturwissenschaftlicher Bezug findet sich auch im Projekt Digitale Rekonstruktion anthropologischer Funde rund um die „Wachtberg Zwillinge“, bei dem es zentral um eine zeitgemäße Dokumentation und Archivierung von Kulturdaten geht. Im Zuge des Projektes MuseumsMenschen wiederum wurde in Zusammenarbeit mit den zehn ältesten Stadtmuseen in Niederösterreich eine App entwickelt, welche einerseits in der Vermittlungsarbeit eingesetzt wird, andererseits in der Benutzer_innenforschung Anwendung findet.
Die Daten, die in Archiven und Sammlungen gewissermaßen verborgen liegen, werden durch digitale Technologien nicht nur zugänglich gemacht, sondern auch dargestellt und bearbeitbar, so dass Wissenschaftler_innen zu neuen Erkenntnissen gelangen. Dazu sagt Anja Grebe: „Hier liegt zugleich das Potential der digitalen Technologien, die einen direkten Bezug zwischen Wissenschaft und musealer Praxis zulassen, indem sich Museen und anderen Ausstellungshäusern neue Möglichkeiten der Forschung und Vermittlung bieten.“
Der Museums- und Sammlungsbereich gilt vielerorts primär als praxisbasiertes Forschungsgebiet. Mit der Einrichtung der Stiftungsprofessur für Kulturgeschichte und Museale Sammlungswissenschaften und der nunmehrigen Gründung des Zentrums für Kulturen und Technologien des Sammelns hat die Universität für Weiterbildung diesen Themenbereich in auch der universitären Forschung und Lehre verankert. In der Verbindung von Kulturwissenschaften und Museumsforschung besitzt die Universität für Weiterbildung Krems damit ein Alleinstellungsmerkmal weit über die Grenzen Österreichs hinaus. Mit dem neugegründeten Zentrum gewinnen Kunst- und Kulturwissenschaften im Forschungsprofil der Universität weiter an Schärfe und Sichtbarkeit.