Was entsteht, wenn Studierende und Alumni, Menschen aus Unternehmen, Verwaltung und Zivilgesellschaft nicht nur nebeneinander, sondern miteinander an realen Problemen arbeiten? Bei der regioWERKSTATT am Campus Krems waren es neue Perspektiven, überraschende Verbindungen und sechs Ideen mit Potenzial für Niederösterreich und das Burgenland.
Bei der regioWERKSTATT wurde miteinander an echten regionalen Herausforderungen gearbeitet. Die Teilnehmenden haben mit ihren unterschiedlichen Vorerfahrungen und Hintergründen genau das mitgebracht, was es für gute Lösungen braucht!
Mehr als eineinhalb Tage Hackathon
Am 28. und 29. Mai 2026 wurde am Campus Krems intensiv gefragt, verworfen, neu kombiniert, prototypisiert und präsentiert. 16 Teilnehmer:innen arbeiteten in sechs Teams an sechs gesellschaftlichen Herausforderungen aus der Region. Schon davor hatten ein Online-Kick-off und mehreren Webinaren den Boden bereitet. Wer nicht in der Vorphase dabei sein konnte, bekam spätestens in den gemeinsamen Arbeitsphasen zu spüren: Hier ging es nicht um eine schnelle Idee um jeden Preis, sondern darum, ein Problem wirklich zu verstehen und eine tragfähige Antwort darauf zu entwickeln.
Ein Hackathon verbindet „Hack“, im Sinn einer kreativen, unkonventionellen Lösung, mit dem langen Atem eines Marathons. Die regioWERKSTATT übertrug dieses Format bewusst aus der Technologieentwicklung auf Fragen der Regionalentwicklung: Wie können Fachkräfte nicht nur gewonnen, sondern in einer Region heimisch werden? Wie finden Jugendliche und regionale Betriebe besser zusammen? Wie bleiben Menschen nach dem Berufsleben aktiv? Wie entstehen neue Chancen für Landwirtschaft, soziale Organisationen und klimafreundliche Alltagsmobilität?
Der entscheidende Unterschied: Wer miteinander gearbeitet hat
Das Besondere an der regioWERKSTATT war nicht allein die Vielfalt der Challenges, sondern vor allem die Vielfalt im Raum. Unterschiedliche Generationen trafen auf unterschiedliche Fachrichtungen, berufliche Erfahrungen und persönliche Zugänge. Studierende und Alumni arbeiteten mit Unternehmer:innen, Verwaltungsmitarbeitenden und engagierten Bürger:innen. Menschen mit langjähriger Praxiserfahrung brachten andere Fragen ein als jene, die mit einem frischen Blick auf ein Thema schauten. Genau diese Reibung machte den Unterschied: Annahmen wurden sichtbar, blinde Flecken kleiner und Lösungen konkreter.
Dabei mussten die Teams nicht im luftleeren Raum arbeiten. Challenge-Expert:innen brachten unmittelbaren Zugang zu den Menschen, Organisationen und Kontexten mit, die von den jeweiligen gesellschaftlichen Herausforderungen betroffen sind. Sie halfen, erste Ideen an der Realität zu prüfen: Haben wir etwas übersehen? Würde das in der Praxis tatsächlich helfen? Wer müsste mit an Bord sein?
Schnappschuss in der Arbeitsphase von Team „Risiko Ruhestand“. Nicht trotz, sondern wegen der unterschiedlichen Perspektiven wurden die Ideen tragfähiger.
Praxiswissen, Prozessbegleitung und Impulse zur richtigen Zeit
Als Challenge-Expert:innen begleiteten Caroline Fribert (LEADER), Martina Kuttig (Universität für Weiterbildung Krems), Jette Lange (IMC Krems), Robert Frasch (LehrlingsPower), Stefan Gratzl (Wirtschaftskammer Niederösterreich), Clara Schreiber (LEADER), Chieh Pan (in-kind) und Christoph Weber (NÖ.Regional) die Teams. Ihr Beitrag war weit mehr als ein kurzer Fachinput: Sie öffneten Türen zu Zielgruppen, Praxisfeldern und Netzwerken.
Für Struktur im kreativen Prozess sorgten die Coaches Clôd Baumgartner, Mariella Pfannenstill, Moritz Wild, Gregor Eibl und Isabell Grundschober. Sie halfen den Teams, zwischen Problemverständnis, Ideensuche, Entscheidung, Konzeptentwicklung und Pitch den roten Faden zu behalten.
Ergänzt wurde die Arbeit durch sechs gezielte Wissensimpulse: Bernhard Gerhardter zu Service Design, Lukas Brunar zu Social Entrepreneurship, Nicolas Frey zu Low-Code und No-Code, Clôd Baumgartner zu regenerativer Innovation, Andreas Schachenhuber zu Business Model Canvas und Zielgruppenorientierung sowie Michael Moll mit einem Pitch-Training. Die Inputs kamen dort zum Einsatz, wo die Teams sie unmittelbar für ihre Ideen nutzen konnten.
Sechs Challenges, sechs Antworten aus der regioWERKSTATT
Am Ende standen keine abstrakten Absichtserklärungen, sondern sechs klar benannte Lösungsansätze. Jeder davon verbindet regionale Bedürfnisse mit einem konkreten nächsten Schritt.
1. „Komm für ein Wochenende. Bleib fürs Leben. Wolkersdorf“
Junge Familien sollen Wolkersdorf drei Tage lang nicht als Tourist:innen, sondern als potenzielle Nachbar:innen erleben, begleitet von einem lokalen Buddy und mit Einblicken in Mobilität, Gastronomie, Freizeit, Vereine, Schule und regionale Betriebe. Follow-up-Aktivitäten sollen aus einem gelungenen Wochenende eine echte Perspektive für Leben und Arbeiten in der Region machen.
Team: Wendy Coones, Lina Marangattil und Cornelia Janker
2. „school2work“
Regionale Projekttage machen Berufsorientierung praktisch erlebbar: Jugendliche lernen Unternehmen und Berufsfelder vor Ort kennen, lösen Aufgaben und entdecken ihre Stärken. Lehrlinge wirken als Vorbilder auf Augenhöhe. Eine digitale Plattform für Schnuppertage und Praktika sowie eine regionale Gaming-App ergänzen das Konzept.
Team: Carina Polly und Eveline Wilfert
3. „UfU – Universität für Unruheständler Österreich“
Die UfU versteht den Ruhestand als Beginn eines neuen Kapitels. Eine österreichweite, von Gemeinden angestoßene Plattform macht Wissen, Erfahrung und Engagement von Menschen nach dem Berufsleben sichtbar, von Lernpatenschaften und Reparaturworkshops bis zu Sprachcafés, Gründungsbegleitung und generationenübergreifenden Projekten.
Team: Christian Grill und Johanna Schmid-Göbl
4. „Heimatkorn Weinviertel. Wo glutenfrei zu Hause ist.“
Eine regionale Wertschöpfungskette für glutenfreie Getreide- und Pseudogetreideprodukte soll landwirtschaftliche Diversifizierung ermöglichen. Herzstück ist eine mobile Spezialmühle, die Kontamination verhindert und Verarbeitung in der Region ermöglicht. Eine gemeinsame Marke verbindet Produzent:innen, Verarbeitung und Nachfrage.
Team: Tamara Drabek und Birgit Kaiser
5. „DigiBotschafter“
DigiBotschafter:innen kommen direkt in soziale Organisationen und unterstützen Mitarbeitende niederschwellig beim Einsatz digitaler Werkzeuge. Kurze Lernangebote, praktische Begleitung im Arbeitsalltag und der Aufbau einer lernenden Community sollen dafür sorgen, dass digitale Lösungen nicht nur bereitgestellt, sondern nachhaltig genutzt werden.
Team: Martin Stark, Lydia Huber-Zabakas und Claudia Zekl
6. „All(e) Tag’ Unterwegs“
Der Bottom-up-Ansatz verbindet gemeinsame Rad- und Gehaktionen, alltagstaugliche statt touristische Routen, digitale Routeninformationen und bestehende soziale Netzwerke. So sollen Menschen klimafreundliche Mobilität positiv erleben und zugleich die Nachfrage nach sicheren Fuß- und Radwegen für Gemeinden sichtbarer machen.
Team: Petra Schöberl, Albert Treytl und Tobias Scheipl
regioWERKSTATT Gruppenfoto: Sechs Teams, sechs Lösungsansätze von Zugehörigkeit über Berufsorientierung bis zur Alltagsmobilität.
Eine Jury mit drei komplementären Blickwinkeln
Für die abschließenden Zwei-Minuten-Pitches trafen drei Perspektiven aufeinander: Elisabeth Hainfellner, Vizerektorin für Forschung, Fort- und Weiterbildung an der Hochschule für Agrar- und Umweltpädagogik, brachte den Blick auf Bildung und Regionalentwicklung ein. Ursula Steiner, Leiterin des Creative Pre-Incubator Programms bei accent, vertrat die Frühphasen- und Innovationsperspektive. Tanja Ihden, stellvertretende akademische Leiterin und Institutsleiterin Entrepreneurship sowie Studiengangsleiterin StartUp Management am IMC Krems, ergänzte die Jury um Entrepreneurship- und Gründungsexpertise.
regioWERKSTATT Pitchpräsentation: Die Teams waren mit Leidenschaft dabei und auch als Zuhörer:in wurde man von der Motivation angesteckt!
Bewertet wurden Problemverständnis und Regionalbezug, Qualität und Kreativität der Idee, Umsetzbarkeit, Nutzen und Wirkung, Nachhaltigkeit, die Integration unterschiedlicher Perspektiven sowie der Pitch. Umsetzbarkeit und Wirkung wurden dabei besonders gewichtet.
Gewinnerlösung: „DigiBotschafter - Digitale Teilhabe in sozialen Organisationen stärken“ wurde von der Jury als Gewinnerlösung der regioWERKSTATT ausgezeichnet. Das Team Martin Stark, Lydia Huber-Zabakas und Claudia Zekl überzeugte mit einem Ansatz, der nicht bei der Bereitstellung digitaler Werkzeuge stehen bleibt: DigiBotschafter:innen begleiten soziale Organisationen direkt im Arbeitsalltag, bauen Unsicherheiten ab und stärken digitale Kompetenzen nachhaltig. Aus einer ersten Pilotierung soll eine Community entstehen, in der Einrichtungen voneinander lernen und weitere DigiBotschafter:innen ausbilden.
Der erste Platz muss gebührend gefeiert und festgehalten werden. Das Sieger:innen-Team hält den Moment gemeinsam mit Challenge Expert:in Chieh Pan fest. Wir gratulieren herzlich! Sichtbar sind von links nach rechts: Lydia Huber-Zabakas, Chieh Pan, Martin Stark, und Claudia Zekl
Nach dem Pitch ist vor der Umsetzung
Mit der Preisverleihung endete der Hackathon nicht aber die Arbeit an den Ideen. In allen sechs Lösungen steckt viel Herzblut, und erste Rückmeldungen zeigen, dass sie auf Interesse stoßen. Geplant sind Gespräche mit relevanten Stakeholdern aus der öffentlichen Verwaltung und weiteren regionalen Netzwerken. Auch eine Präsentation im slowakischen Projektkontext sowie Möglichkeiten zur Weiterentwicklung im Creative Pre-Incubator sind vorgesehen.
Im Herbst ist außerdem ein Follow-up-Event geplant. Dann soll gemeinsam weitergedacht werden: Welche Partner:innen braucht eine Idee? Wo kann die Verwaltung ermöglichen, vernetzen oder selbst zur Anwenderin werden? Welche bestehenden Angebote und Strategien lassen sich anschließen? Und was braucht es, damit aus einem überzeugenden Pitch ein nächster konkreter Schritt wird?
Interesse geweckt? Mitdenken und mitarbeiten
Wer an einer der Lösungen mitarbeiten, Expertise einbringen oder ein Team mit einem passenden Netzwerk verbinden möchte, ist herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen. Isabell Grundschober stellt gerne die Verbindung zu den jeweiligen Teams her. Weitere Informationen zu den Challenges und zum Format finden Sie hier auf der Veranstaltungsseite der regioWERKSTATT.
Die regioWERKSTATT wurde im Rahmen des Projekts BRIE – Building Regional Innovation Ecosystems durchgeführt. Das Projekt BRIE wird durch das Interreg VI-A SK-AT Programm kofinanziert.