2. Biodiversitätsforum: Handeln zum Schutz der Artenvielfalt

Expertinnen und Experten präsentierten im Forum ihre fünf wissenschaftlich untermauerten Kernforderungen an die Politik für den Erhalt der Biodiversität

20.12.2019

Rund 150 Interessierte kamen am 18. Dezember 2019 zur zweiten Auflage des Österreichischen Forums zu Biodiversität und Ökosystemleistungen in den Festsaal der Veterinärmedizinischen Universität Wien. Veranstaltet vom Biodiversitäts-Hub der Donau-Universität Krems unter der Projektleitung von Dr. Andrea Höltl, MBA M.E.S. bot das Forum wieder fachlichen Input zu einem breiten Spektrum an Themen, Workshops und Gelegenheit zur Vernetzung.  

In ihren Begrüßungsworten erinnerte die Gastgeberin Ao. Univ.-Prof. Dr. Petra Winter, Dipl. ECBHM, Rektorin der Veterinärmedizinischen Universität Wien, an das weite thematische Feld, mit dem sich die von ihr geleitete Einrichtung beschäftigt. Univ.-Prof Mag. Dr. Gerald Steiner, Dekan der Fakultät für Wirtschaft und Globalisierung der Donau-Universität Krems, zeigte sich bei seiner Begrüßung erfreut, dass der Biodiversitäts-Hub um weitere AkteurInnen und Disziplinen gewachsen ist. In seiner Videobotschaft unterstrich Bundespräsident Univ.-Prof. Dr. Alexander van der Bellen die Brisanz der Themen, die das Biodiversitätsforum behandelt, und zitierte ein Motto der Fridays For Future-Bewegung: „No future on a dead planet.“  

Negative Tendenzen bei Biodiversität

Dass die Erde eben kein toter Planet wird, ist auch ein Ziel der Forschung von Keynote-Speaker Univ.-Prof. Markus Fischer, Forum Biodiversität Schweiz und Universität Bern. Er widmete sich dem Thema „Landnutzung, Biodiversität und Ökosystemleistungen“. In seinen reich mit Zahlenmaterial untermauerten Ausführungen zeigte er verschiedene Indikatoren, die den globalen Rückgang der Biodiversität belegen. So würden auch die von der UNO beschlossenen SDGs, Nachhaltigkeitsziele, auf die sich die Staaten geeinigt haben, nicht oder in zu geringem Maß erfüllt. Um diesen Trend zu stoppen, müsse ein transformativer Wandel erfolgen, so Fischer. So sollten Ungleichheiten beseitigt, ein gerechter Naturschutz umgesetzt, auf Technologien und Investitionen ebenso wie auf Bildung und Wissensgenerierung gesetzt werden. Konkret ging Fischer auf die Situation in der Schweiz ein, wo ein Verlust von Wiesen, Auen und Feuchtgebieten festzustellen ist. Zusätzlich führe eine hohe Landnutzungsintensität zu einer stark verringerten Biodiversität bis in den Erdboden. Ein weiteres interessantes Untersuchungsergebnis ist, dass Ökosystemdienstleistungen gerade auch von seltenen Arten erbracht werden.

Unter Ökosystemdienstleistungen werden Dienstleistungen der Natur für den Menschen bezeichnet, beispielsweise die Bereitstellung von Rohstoffen, Nahrung und Energie, aber auch die regulierende Wirkung auf das Klima und die Luft- und Wasserreinigung sowie die Befriedigung ästhetischer, kultureller oder intellektueller Bedürfnisse. Zur Umsetzung dieser gesellschaftlichen Transformation müsste ein Drittel der Fläche der Schweiz für den Erhalt der Biodiversität genutzt werden.

Ein Thema mit vielen Facetten

Von den insgesamt 36 Postern, die im Eingangsbereich besichtigt werden konnten, wurden fünf im Plenum vorgestellt. Dabei wurde ein thematischer Bogen von Umsetzungsprojekten zur Biodiversitätsstrategie Österreich 2020+ über das Interreg-Projekt MaGICLandscapes und das ökologische Landschaftsmanagement der österreichischen Bundesforste bis hin zur Vielfalt in landwirtschaftlichen Betrieben und der Wildbienenfauna gespannt.

Netzwerk Biodiversität Österreich wächst

Das Netzwerk Biodiversität Österreich wurde von Dr. Andrea Höltl, MBA M.E.S., Donau-Universität Krems, präsentiert. Es versteht sich als inter- und transdisziplinär arbeitende Open Community für Wissenschaft, Politik, Verwaltung, Wirtschaft, NGOs und Zivilgesellschaft, die sich der Stärkung der Biodiversität und deren Ökosystemleistungen in Österreich verschreibt. Um die Vernetzung voranzutreiben wurde auf die Kompetenzlandkarte verwiesen, in die sich ExpertInnen im Bereich Nachhaltigkeit mit ihrer Kompetenz eintragen können. Mit der Unterzeichnung des Memorandum of Understanding können nun Personen und Institutionen ihr Commitment zu den Zielen des Netzwerks abgeben und dadurch die Stimme für den Schutz der Biodiversität stärken. Am 8. April 2019 konstituierte sich der österreichische Biodiversitätsrat, dessen Leitungsteam, bestehend aus Ass.-Prof. Mag. Dr. Franz Essl, Univ.-Prof. Dr. Christian Sturmbauer, Ass.-Prof. Dr. Alice Vadrot, ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Irmgard Greilhuber, Assoc.-Prof. Dr. habil. Andreas Tribsch und Ass.-Prof. Dr. Thomas Wrbka, seine Vorhaben und Kernforderungen zum Schutz der Biodiversität vorstellte. Ein Ziel des Biodiversitätsrats ist es, sich als unabhängiger Ansprechpartner für EntscheidungsträgerInnen zu positionieren.

Biodiversität messen und bewerten

Der Nachmittag wurde eröffnet von zwei Impulsvorträgen. Mag. Dr. Stefan Schindler vom Umweltbundesamt sprach über den Bedarf an Indikatoren für die Biodiversität, damit der Erfolg von Maßnahmen auch messbar wird. Dabei verwies er etwa auf 55 Indikatoren der Aichi-Biodiversitätsziele der Convention on Biological Diversity (CBD). Für Österreich ist die Biodiversitätsstrategie 2020+ maßgeblich, die auf Artikel 6 der CBD basiert. Nach der Messung der Biodiversität gab der Impuls von Mag. Dr. Christine Jasch von Ernst & Young Einblicke in die Schwierigkeiten der wirtschaftlichen Bewertung von Ökosystemdienstleistungen. EMAS, das Eco-Management und Audit Scheme der EU, stellt beispielsweise auf den Flächenverbrauch ab und ist damit nicht für alle Branchen anwendbar. Jasch ging auch auf die Standards der GRI, der Global Reporting Initiative, die sich auf best practices in der Nachhaltigkeits­berichterstattung stützen, die ISO-Normen 14007 und 14008 sowie die total value-Bewertung ein.

Workshops zum Schutz der Biodiversität

Danach arbeiteten die Workshop-Gruppen an den fünf Kernforderungen des BiodiversitätsratsBiodiversitätskrise stoppen“, „Bestehende Verpflichtungen tatsächlich einhalten“, „Zur naturverträglichen Gesellschaft werden“, „Wissenschaft und Bildung stärken“ sowie „Einer biodiversitätsfördernden Landnutzung und Grüner Infrastruktur mehr Raum geben“. Bei der anschließenden Präsentation der Ergebnisse kristallisierten sich viele diskussionswürde Punkte heraus, die als Basis für weitere Überlegungen dienen werden.

Startphase des Biodiversitäts-Atlas

Vor dem vernetzenden Ausklang wurde noch der Biodiversitäts-Atlas von Tanja Lumetsberger, M.Sc., Donau-Universität Krems, vorgestellt, der nun online ist und sich zu einem Informations-, Recherche-, Analyse- und Visualisierungstool nach dem Vorbild des Atlas of Living Australia entwickeln soll. Damit der Atlas seinen vollen Nutzen als Biodiversitäts-Datenbank entfalten kann, wird auf eine breite Beteiligung der wissenschaftlichen Community gesetzt.

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