Beschreibung

Die Fragen, wie sich Lebenspläne angesichts von Konflikten und Flucht ändern und wie und warum sie Migrationsbewegungen von Flüchtlingen beeinflussen, sind nicht vollständig geklärt. Einerseits ist das Erleben von Flucht ein tiefer Einschnitt in existierende Lebenspläne von Menschen. Andererseits entwickeln geflüchtete Menschen Strategien, um mit sich radikal veränderten sozialen Realitäten und erlebten Traumas umzugehen, wie zum Beispiel die Konzentration auf die Zukunft und persönliche Lebensziele. Der syrische Konflikt und die daraus entstandenen Fluchtbewegungen sind zentral, um komplexe Migrationsbewegungen der Gegenwart zu verstehen. Während 5,5 Millionen SyrerInnen in Nachbarländer im Nahen Osten und in Nordafrika geflohen sind, haben ungefähr eine Million Zuflucht in Europa (UNHCR 2019) gesucht und 6,1 Millionen sind Binnenflüchtlinge geworden (IDMC 2018). Das Projekt SYREALITY fokussiert auf SyrerInnen, die seit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs nach Europa gekommen sind. Basierend auf Forschung aus der Soziologie, Migrations- und Fluchtforschung und Psychologie untersucht es die Fragen, (i) wie breitere Lebensziele und soziale Klasse die Migrationsentscheidungen von Flüchtlingen beeinflussen; und (ii) wie sich rechtlicher Status und der Aufnahmekontext in verschiedenen europäischen Städten auf ihre Aspirationen und ihr Wohlbefinden auswirken. Das Forschungsvorhaben baut auf dem Projekt SYRMAGINE (2017-2019) auf, das sich mit Migrationsentscheidungs-prozessen syrischer Flüchtlinge in der Türkei und im Libanon und Imaginationen von Europa befasst hat. Das Projekt trägt dabei zur Forschung zu Migrationsentscheidungsprozessen, Beweggründen von Migration und Aspirationen in Fluchtkontexten bei. SYREALITY ist in zweierlei Hinsicht innovativ: Erstens haben bisher nur wenige Studien Erkenntnisse aus der Psychologie mit soziologischer Forschung verknüpft, um den Zusammenhang zwischen Trauma, Lebenswünschen und Mobilität besser zu verstehen. Zweitens wurde in der Forschung bisher nicht systematisch untersucht, welche Rolle soziale Klasse für die Migration von geflüchteten Menschen spielt, deren Ressourcen durch Krieg und Flucht häufig zerstört worden sind. SYREALITÄT will diese Lücke schließen, indem Veränderungen von Lebensplänen und sozialer Klasse entlang von Migrations- und Fluchtgeschichten geflüchteter Menschen auf partizipative, transnationale, länderübergreifende und longitudinale Weise untersucht werden. Methodisch wird SYREALITY Feldforschung in vier europäischen Städten (Wien, Berlin, Budapest und Athen) durchführen, wobei geflüchtete Menschen selbst eine aktive Rolle in der Datenerhebung innehaben. Das Projekt beinhaltet eine quantitative Umfrage, lebensgeschichtliche Interviews, und das Zeichnen von Karten von Migrationsverläufen und täglicher Wege, um zu verstehen, wie sich Herausforderungen, Chancen und Migrationsverläufe im Laufe der Zeit ändern.

Details

Projektzeitraum 26.01.2022 - 25.01.2026
Fördergeber FWF
Förderprogramm
Department

Department für Migration und Globalisierung

Zentrum für Migration, Integration und Sicherheit

Projekt­verantwortung (Universität für Weiterbildung Krems) Dr. Lea Müller-Funk
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