Wie können reale Herausforderungen aus der öffentlichen Verwaltung zu Lerngelegenheiten und Ausgangspunkten für Innovation werden? Die digiWERKSTATT der Universität für Weiterbildung Krems zeigt, wie das gelingen kann, und wurde dafür mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich 2026 für innovative Hochschullehre ausgezeichnet. Hinter dem prämierten Format steht eine mehrjährige Entwicklung: von Erfahrungen aus dem Projekt DigiVil über das grenzüberschreitende Innovationsprojekt BRIE bis hin zu zwei Hackathons, bei denen Hochschule und Praxis gemeinsam an neuen Lösungen arbeiteten.
Was DigiVil für BRIE sichtbar machte
Die Auszeichnung steht am vorläufigen Ende einer Entwicklung, die bei Erfahrungen aus DigiVil begann, zur Konzeption und Förderung von BRIE führte und in die beiden Hackathons digiWERKSTATT und regioWERKSTATT mündete.
Im Mittelpunkt steht dabei eine einfache Grundidee: Reale Herausforderungen können nicht nur Ausgangspunkt für Innovation sein. Richtig in die Hochschullehre integriert, werden sie auch zu Lerngelegenheiten, in denen Hochschule und Praxis voneinander und miteinander lernen.
Im Vorgängerprojekt DigiVil arbeitete die Universität für Weiterbildung Krems eng mit Akteur:innen aus der öffentlichen Verwaltung zusammen. Dabei zeigte sich: In Verwaltungen gibt es zahlreiche konkrete Herausforderungen und Innovationspotenziale. Im Arbeitsalltag fehlen jedoch häufig Zeit und Ressourcen, um daraus neue Lösungsansätze zu entwickeln und zu erproben.
Diese Erfahrungen flossen in die Konzeption von BRIE – Building Regional Innovation Ecosystems ein, insbesondere in das Arbeitspaket Cross-Border Innovation Lab.
Das Projekt wurde erfolgreich eingereicht und gefördert. Eine Idee war dabei von Anfang an Teil des Projektkonzepts: Reale Herausforderungen aus der Region sollten nicht nur untersucht, sondern gemeinsam mit Menschen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen bearbeitet werden. Zwei Hackathons in Österreich und zwei Hackathons in der Slowakei sollten dafür den Raum schaffen.
Warum ein Hackathon?
Ein Hackathon bringt Menschen für einen begrenzten Zeitraum zusammen, um intensiv an einer konkreten Herausforderung zu arbeiten. Für BRIE war gerade diese Arbeitsweise interessant: Die Ausgangspunkte sollten keine konstruierten Fallbeispiele sein, sondern reale Herausforderungen aus der Praxis, für die es noch keine fertigen Lösungen gibt.
Damit war gleichzeitig klar: Ein solcher Hackathon kann nicht ohne die relevanten Stakeholder gelingen. Sie bringen nicht nur die Herausforderungen ein, sondern auch jenes Kontext- und Erfahrungswissen, das notwendig ist, um Probleme zu verstehen und Ideen an den tatsächlichen Rahmenbedingungen zu prüfen.
Als mehrere Ideen zusammenpassten
Bei der Vorbereitung des ersten BRIE-Hackathons trafen mehrere Entwicklungen aufeinander. Heidi Maurer vom Department für E-Governance der Universität für Weiterbildung Krems und Christian Winter von der Innovationsabteilung des Landes Niederösterreich beschäftigten sich ebenfalls mit der Idee, Studierende an realen Herausforderungen aus der öffentlichen Verwaltung arbeiten zu lassen.
Die Ansätze wurden zusammengeführt und gemeinsam weiterentwickelt. Daraus entstand die digiWERKSTATT. Studierende, Gemeindemitarbeitende und IT-Unternehmen arbeiteten darin gemeinsam an konkreten Herausforderungen der öffentlichen Verwaltung. Unterschiedliche fachliche Perspektiven und Erfahrungen wurden damit bewusst zum Bestandteil des Entwicklungsprozesses.
Wenn aus einer Challenge ein Lernraum wird
Die digiWERKSTATT war dabei nicht nur als Innovationsformat angelegt. Die Arbeit an realen Problemen eröffnete gleichzeitig einen besonderen Lernraum.
Die Studierenden bearbeiten keinen konstruierten Übungsfall mit einer bereits bekannten oder erwartbaren Lösung. Sie müssen eine reale Problemstellung zunächst verstehen, unterschiedliche Perspektiven berücksichtigen, mit Menschen außerhalb ihres eigenen fachlichen Kontextes zusammenarbeiten, ihr Wissen einbringen und gemeinsam Lösungsansätze entwickeln und überprüfen.
Die Praxis ist damit nicht nur Gegenstand des Lernens, sondern Teil des Lernprozesses. Auch die Rollen verändern sich: Praxispartner:innen liefern nicht einfach einen Fall für eine Lehrveranstaltung und Studierende nicht einfach eine Lösung. Beide Seiten bringen Wissen und Perspektiven ein und entwickeln Problemverständnis und Lösungsansätze im gemeinsamen Prozess weiter.
Ein solches Format ist Teamarbeit
Ein Hackathon wie die digiWERKSTATT entsteht nicht allein durch eine gute Idee. Es braucht reale Challenges, engagierte Stakeholder, Unternehmen, die ihre Expertise einbringen, Studierende, die sich auf einen offenen Entwicklungsprozess einlassen und viele Menschen, die all das zusammenbringen.
Bei der digiWERKSTATT arbeitete BRIE Projektmitarbeiterin Isabell Grundschober (Department für Weiterbildungsforschung und Bildungstechnologie) eng mit ihrer Kollegin Heidi Maurer (Department für E-Governance) sowie mit Christian Winter, Bernhard Gerhardter und ihrem Team von der Innovationsabteilung des Landes Niederösterreich zusammen.
Isabell Grundschober und Heidrun Mauer, die gemeinsam mit Stakeholder aus der öffentlichen Verwaltung den Hackathon digiWERKSTATT konzipiert und begleitet haben.
© NLK Filzwieser
Gemeinsam wurden die unterschiedlichen Perspektiven aus Hochschullehre, E-Governance und Verwaltungspraxis zusammengebracht und die digiWERKSTATT gestaltet und umgesetzt. Einen wesentlichen Beitrag leisteten außerdem die Challenge-Geber:innen, beteiligten Unternehmen, Kolleg:innen und Studierenden.
Die digiWERKSTATT war damit von Anfang an ein echter Group Effort und genau dieses Zusammenspiel unterschiedlicher Perspektiven war nicht nur für die Organisation wichtig, sondern auch ein zentraler Bestandteil des Formats selbst.
Vom ersten zum zweiten Hackathon
Mit der digiWERKSTATT war die Entwicklung nicht abgeschlossen. Sie war der erste von zwei in Österreich vorgesehenen Hackathons und zugleich eine wichtige Lerngelegenheit für die Weiterentwicklung des Formats.
Die Erfahrungen aus dem ersten Durchgang flossen in die Konzeption des zweiten Hackathons ein. Gemeinsam mit Jasmina Dzanic entwickelte Isabell Grundschober das Format weiter. Daraus entstand 2026 die regioWERKSTATT, diesmal mit einem breiteren regionalen Fokus.
16 Teilnehmer:innen arbeiteten dabei an sechs Challenges aus unterschiedlichen gesellschaftlichen und regionalen Bereichen. Die Grundidee blieb bestehen: reale Herausforderungen, unterschiedliche Perspektiven und einen strukturierten Innovationsprozess miteinander zu verbinden.
Ausgezeichnete Hochschullehre
Mit dem Wissenschaftspreis des Landes Niederösterreich 2026 für innovative Hochschullehre wird nun die digiWERKSTATT ausgezeichnet.
Die Auszeichnung steht damit am vorläufigen Ende einer Entwicklung, die bei Erfahrungen aus DigiVil begann, zur Konzeption und Förderung von BRIE führte und über die digiWERKSTATT bis zur regioWERKSTATT weitergeführt wurde.
Im Mittelpunkt steht dabei eine einfache Grundidee: Reale Herausforderungen können nicht nur Ausgangspunkt für Innovation sein. Richtig in die Hochschullehre integriert, werden sie auch zu Lerngelegenheiten, in denen Hochschule und Praxis voneinander und miteinander lernen.
Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf mit Isabell Grundschober, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Heidrun Mauer den Preis für Innovative Hochschullehre 2025 der Abteilung Wissenschaft und Forschung des Landes Niederösterreich erhielt.
© NLK Filzwieser
Weitere Informationen
BRIE, digiWERKSTATT und regioWERKSTATT
Förderhinweis: Das Cross-Border Innovation Lab des Projekts BRIE – Building Regional Innovation Ecosystems wird im Rahmen von Interreg Slowakei-Österreich von der Europäischen Union kofinanziert.