DI Christian Leeb

In der Spezialisierung IT Consulting unterrichtet Christian Leeb „Business Process Management & Entrepreneurship“. Er ist Portfolio Entrepreneur und Chief Visionary Officer vieler Startups, Speaker und Jazzbassist.

31.08.2015

1. Über welches theoretische Wissen müssen zukünftige Fachkräfte im IT Consulting verfügen?
Die IT ist einem dramatischen Wandel unterworfen. Noch vor nicht allzu langer Zeit war sie der Innovator und Auslöser des Wandels in vielen Bereichen. Nun kommt sie selbst unter Druck: Es geht nicht mehr nur um Rechenzentren, große IT-Abteilungen, Betreuung von Software und Hardware in Unternehmen, um Neu-Programmierung und ERP-Einführungsprojekte, um nur einige Beispiele zu nennen. Im Trend sind rasante Entwicklungen zu Self Services, Apps, Mobile, Cloud und IT aus der Steckdose.

Consulting ist einem ebenso großen Wandel unterworfen. Während es früher genügte, in Meetings und Workshops viel zu diskutieren um dann Präsentationen und Berichte über mögliche Auswirkungen und Projekte zu philosophieren, geht es heute um konkrete Aktionen, einen kompletten Change in allen Bereichen des Lebens und Arbeitens. Daher ist nicht nur das Erwerben von theoretischem Wissen wichtig, sondern auch das Verständnis für Veränderungen – vor allem aber die Bereitschaft und Fähigkeit, die eigene Art zu denken und zu handeln zu verändern. Dies gilt in gleichem Maße für den IT-Consultant als auch die Klientel, die man als Consultant erreichen will.

Derzeit beschäftigen Themen wie „Lean & Agil im Projektmanagement“, „Always On der Next Generation“, „Internet der Dinge und Industrie 4.0“, „Transparenz & Vertrauen im Netz“, „Kollaboration und die neue Art des Zusammenarbeitens“, „Social Media im Gegensatz zu Marketing“, aber auch „Privacy, Security und Governance“ die Fachkräfte im IT-Consulting.Viele neue Inhalte sind nicht mehr in Büchern zu finden, sondern sind ein „Mashup“ von Wikipedia, Blogs, Youtube-Videos und Inhalten anderen Quellen, deren Kenntnis und Einschätzung notwendig und sinnvoll, deren wissenschaftliche Relevanz und praxistaugliche Einsetzbarkeit aber immer schwieriger einzuschätzen sind.

Eines der wichtigsten neuen Paradigmen ist, dass Wissen nicht mehr von außen gelehrt, dann gelernt, aufbereitet und widergegeben (geprüft) und anschließend angewendet werden kann. Vielmehr ist es so, dass „alles gleichzeitig“ passiert: man lernt, tauscht sich aus, macht, bekommt Feedback, lernt wieder.

2. Sie lehren „Business Prozess Management & Entrepreneurship“. Welche Praxisbeispiele bearbeiten Studierende während des Lehrgangs?
Studierende bearbeiten entweder ihre eigenen Businessideen oder aber von mir vorgegebenen Ideen, die sofort in Start-ups umgesetzt werden können. Es geht um Ausarbeitungen, die nahtlos in die Praxis überführt werden können. Das beste Ergebnis für mich ist nicht die Note auf eine Arbeit, sondern wenn sich tatsächlich ein Entrepreneur mit dem Wissen und der Unterstützung der Donau Universität Krems auf den Weg macht, ein Unternehmen zu gründen.Die Zukunft liegt meines Erachtens in der dynamischen, selbstbestimmten Art Business zu machen. Dies wird nicht nur gelehrt, sondern auch tatkräftig unterstützt, weil ich als Vortragender selbst Entrepreneur bin und in vielen Startups von der ersten Sekunde an involviert bin. Und wenn es dann doch kein Startup ist, dann hilft diese Art zu denken und zu agieren in bestehenden Unternehmen Innovationen und neue Ideen voranzutreiben.

3. Welche Trends kommen im Bereich IT-Consulting auf Fachkräfte zu?
Die klassische IT wird immer mehr zur „commodity“. Hardware ist grundsätzlich „egal“, man kann sie überall kaufen und die Preisunterschiede sind marginal, man muss sich also mit „Bring Your Own Device“ auseinandersetzen.
Telekommunikationsverträge sind kaum unterschiedlich, die Frage ist, welche Verträge mit welchen Providern wirklich zielführend sind, weil die Grenzen der Telekommunikationsanbietern nie den Grenzen eines Unternehmens entsprechen.
Software gibt es von der Stange, modern, integriert auf allen Geräten, überall funktionierend aus der Cloud.

Man muss sich viel eher mit strategischen Themen auseinandersetzen: Was mache ich selbst, was kaufe ich zu!

Die IT in Unternehmen, die ihre Daseinsberechtigung deswegen argumentiert, um den Betrieb zu sichern, wird so nicht mehr notwendig sein: Diese Funktion wandert zu externen Dienstleistern oder in die Cloud, die kostengünstiger, schneller, flexibler agieren können. Gleichzeitig mutiert die IT als Enabler, als einziger Beitrag zur Value Proposition eines Unternehmens. Vielfach sind aber die IT-Leute nicht vorbereitet, weil sie nicht in Nutzen argumentieren können, sondern nur Funktionen sehen.

Der IT-Consultant wirkt hier als Vermittler und Trendsetter. Dort, wo IT der Beitrag der Value Proposition eines Unternehmens ist, muss der IT Consultant dies nicht nur verstehen, sondern seinerseits einen Wertbeitrag „ausspielen“ können.

Dieser digitale Wandel führt auch zu neuen Trends in der Organisation und der Gestaltung der „Neuen Arbeit“: es geht schon lange nicht mehr darum, MitarbeiterInnen die richtige IT seitens des Unternehmens bereitzustellen, sondern neue MitarbeiterInnen überhaupt für das Unternehmen zu begeistern. Dies bedeutet auch beispielsweise, dass sich der IT-Consultant überlegen muss, wie die Grenze zwischen erlaubtem und gesperrtem Internet zu ziehen ist und welche Aufgaben generell nicht technisch, sondern organisatorisch und unternehmens-kulturell zu lösen sind.

4. Für welche beruflichen Tätigkeiten qualifiziert der MSc IT-Consulting?
Der Lehrgang Management und IT mit der Spezialisierung „IT-Consulting“, bildet qualifizierte MitarbeiterInnen weiter, die Unternehmen beim technologischen Wandel unterstützen.  Mit ihrem Schwerpunkt auf Management, IT und Consulting haben diese ein breites theoretisches Wissen und die Fähigkeit, den Wandel, derzeitige Trends zu erkennen und als Coach voranzuschreiten.

5. Welche Organisationen/Unternehmen benötigen die Kompetenzen der IT-Consulting AbsolventInnen?
„Alle“ brauchen die Kompetenzen!

◾Neue Firmen (Start-ups) besitzen Teile dieser Kompetenzen; zumindest haben sie den „richtigen“ Spirit und setzten diesen um. Hier kann der IT-Consultant nahtlos anschließen und als Co-Founder ein Unternehmen mitprägen.
◾Bestehende kleine Firmen und Unternehmen haben oft nicht genug Zeit und Geld, brauchen diese Kompetenzen aber, um während des digitalen Wandels lebensfähig zu bleiben. Hier kann der IT-Consultant einerseits Expertise einbringen, aber auch andrerseits konkrete Aufgaben im Outsourcing übernehmen.
◾Große Firmen haben das notwendige Geld und die Zeit, aber die Mitarbeiter sind bereits zu sehr in ihrer eigenen Komfortzone angelangt, die Organisation ist zu starr; daher sind diese für Innovationen und Änderungen hilflos zu langsam. Der IT-Consultant kann dies aufbrechen helfen und unterstützen, die große Organisation weiter zu entwickeln.

Hier überall regt die Weiterbildung mit der Spezialisierung „IT-Consulting“ durch den Austausch mit Studierenden und Lehrenden zum Mitdenken, Umdenken und Verändern an!

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