Prof. Dr. Giselher Pankratz

Prozessmanagement ist keine kurzfristige Mode der Betriebswirtschaft, sondern ein seit Jahrzehnten erfolgskritischer Faktor. Giselher Pankratz ist Wirtschaftsinformatiker der Hochschule der deutschen Bundesbank und unterrichtet als Experte für Prozess- und Qualitätsmanagement im Lehrgang Management und IT. Wie er Digitalisierung erlebt, welche Herausforderungen diese für sein Fachgebiet bereithält und was er am Studiengang besonders schätzt, erzählt er im Interview.

15.10.2018

Wie sind sie zum Department für E-Governance in Wirtschaft und Verwaltung gestoßen?
Ich war damals an der Fernuniversität Hagen im Bereich Wirtschaftsinformatik als Habilitand tätig, als eine Anfrage an den Lehrstuhl von Hermann Gehring kam. Ich hatte vorher eigentlich noch keinen Kontakt zur Donau-Universität und habe mich dann informiert. Aufgrund der Parallelen in den didaktischen Konzepten und des Renommees des Departments war für mich schnell klar, dass ich das machen will. Mittlerweile unterrichte ich seit knapp zehn Jahren als Experte für Prozess- und Qualitätsmanagement am Department für E-Governance.

Wie erleben Sie selbst Digitalisierung?
Die Digitalisierung läuft nun ja schon mehrere Jahrzehnte. Das eigentlich Neue ist, dass sie sich in den letzten Jahren so stark beschleunigt hat. Die technologischen Neuerungen haben es erlaubt, die Automatisierung auf einen komplett anderen Level zu heben. Technologien wie Künstliche Intelligenz, die früher aufgrund technischer Gegebenheiten an Grenzen stießen, sind mit zunehmender Leistungsfähigkeit heutiger Computer aktueller denn je. Anfangs wurden vor allem analoge Repräsentationen der realen Welt digitalisiert – von LP zu MP3, Dokumente zu PDF, oder das Zugänglichmachen analoger Textdokumente mittels Texterkennung. Mittlerweile sehen wir, dass Informationsverarbeitung ein fester Bestandteil von zuvor rein physikalisch funktionierenden Objekten ist – denken Sie an Autos oder die ganze Palette von Smart-Produkten, das Internet der Dinge und die steigende Anzahl von Industrie-4.0-Anwendungen. Zudem ist die Digitalisierung in alle Lebensbereiche eingedrungen. Viele Menschen nehmen die Unterstützung durch mobile Endgeräte als etwas ganz Alltägliches war. Innovation kam in den letzten Jahren immer häufiger aus dem Konsumenten-Bereich und drang erst von dort in die Unternehmen ein. Mittlerweile sind es nicht mehr die artikulierten Wünsche von Kunden und Mitarbeitern, sondern der rasante technologische Fortschritt selbst und der dadurch ausgelöste Innovationswettbewerb, welche die Unternehmen gewissermaßen vor sich her treiben.

Wie verändert sich Prozessmanagement durch die Digitalisierung?
Um das zu verstehen, muss man betrachten, wie Prozessmanagement in die Welt gekommen ist. Im Zeitalter der klassischen Organisationslehre ging man davon aus, dass man die Aufbauorganisation, also die Gliederung des Unternehmens in eine Abteilungshierarchie, zuerst gestalten muss. Die Organisationen entwickeln aber ein Eigenleben: Jeder Abteilungsleiter verfolgt letztlich Partikularinteressen. In so einem Setting kann ein funktionsübergreifender Prozess nur verlieren. Später hat man gemerkt, dass nur Prozesse Produkte und Services hervorbringen und man sich vorrangig um diese kümmern muss. Die Frage war nun: wie kann man das ändern? In den 80er Jahren entstanden dazu mehrere Ansätze, die regional variierten. Das sah in den USA anders aus als in etwa in Deutschland. Im Zentrum stand aber die Erkenntnis, dass erstens die Kunden- und Prozessorientierung im Fokus stehen muss und zweitens die Informationstechnologie die Rolle des Innovationstreibers einnimmt. Das ist im Grunde ein recht stabiler Wissenskorpus, der nach wie vor relevant und zeitgemäß ist.

Die Digitalisierung hat also keinen allzu großen Einfluss auf Prozessmanagement?
Ich würde es so formulieren: Es gibt unverrückbare Wahrheiten, die gehen im Tagesgeschäft aber oft unter – häufig fehlt die Zeit sich diese in Ruhe und konzentriert zu Gemüte zu führen. Die Grundprinzipien haben sich durch die Digitalisierung nicht geändert. Sie hat aber völlig neue Rahmenbedingungen und dadurch auch Problemlagen geschaffen. Die Frage lautet also, wie lässt sich dieser Wissenskorpus auf Organisationen im digitalen Zeitalter umlegen. Das hat die Art und Weise, wie man Probleme bearbeitet und löst, natürlich massiv verändert. Dazu muss man die Grundlagen der Prozessoptimierung sorgfältig behandeln. Meine Studierenden bestätigen immer wieder, dass sie in ihrer beruflichen Praxis stark von diesem Wissen profitieren.

Auf was legen Sie beim Unterricht wert?
Ich versuche immer sehr fallzentriert zu unterrichten und Raum für Fragen und Themen aus der Praxis der Studierenden zu schaffen, um diese gemeinsam mit wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Gerade bei Masterarbeiten müssen das nicht nur Fragestellungen aus dem engeren Themenfeld des Prozessmanagements sein, sondern können die ganze Bandbreite der Wirtschaftsinformatik betreffen. Diese Art der Betreuung macht mir großen Spaß, wenn man sich gemeinsam mit den Studierenden in Fragen hineindenkt. Das ist im Lehrgang definitiv anders als an vielen Universitäten, wo die Betreuung nur zwei Ereignisse kennt: Die Anmeldung des Themas und das Schreiben der Beurteilung.

Was gefällt Ihnen besonders gut an Krems und der Donau-Universität?
Es ist einfach sehr schön in der Wachau und es wird meistens früher warm als in Deutschland. Wenn man Glück hat, kann man schon im Mai etwas Sommer genießen – auch gern mal im Gastgarten beim Heurigen. Es macht mir aber auch das Arbeiten am Campus große Freude. Dort ist alles sehr stilvoll und überschaubar, die Ansprechpartner im Studienbereich sind nicht nur kompetent und zuverlässig, sondern auch freundlich und entgegenkommend, was eine angenehme Arbeitsatmosphäre schafft. Was natürlich auch Spaß macht, ist, dass die Menschen, mit denen ich in Krems arbeite, alle mitten im Berufsleben stehen, unterschiedliche Voraussetzungen – verschiedene Studienabschlüsse, Fachgebiete und Bildungswege –, und eine gesunde Portion Ehrgeiz mitbringen.

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