31. Österreichischer Museumstag in Krems

Der Österreichische Museumstag 2020, mitorganisiert von der Donau-Universität Krems, fokussierte auf die Verbindung von Museen mit der Wissenschaft und ging auf digitale Präsentationsformen ein.

23.10.2020

Die Donau-Universität Krems veranstaltete von 7.–8. Oktober 2020 gemeinsam mit der Kunstmeile Krems, den Landessammlungen Niederösterreich, dem Museumsbund Österreich und dem International Council of Museums (ICOM) den 31. Österreichischen Museumstag. Neben der ICOM-Konferenz über Kulturvermittlung standen die Verleihung des Österreichischen Museumsgütesiegels und des Museumspreises auf dem Programm.

Die Kultur- und Universitätsstadt Krems war Veranstaltungsort des 31. Österreichischen Museumstags am 8. Oktober 2020. Bereits am Vortag fand an der Donau-Universität Krems die 5. ICOM CECA (International Committee for Education and Cultural Action) Konferenz unter dem Titel „Kulturvermittlung ohne Objekte / Objekte ohne Kulturvermittlung“ statt. Dort referierten vor allem MuseumsprakterInnen aus ganz Österreich in vier inhaltlichen Blöcken zu den Themen „Sprechen Dinge?“, „Kunstvermittlung ohne Original?“, „Museale Räume?“ und „Fiktive Räume?“. Die Fragestellungen nahmen dabei auch Bezug auf die gegenwärtig sehr fordernde Situation für Museen, die neue Wege der Vermittlung einschlugen. Die Konferenz bot auch Gelegenheit zu Diskussion und Austausch im Rahmen der COVID-19-Sicherheitsbestimmungen.

Der Österreichische Museumstag 2020 startete nach der feierlichen Eröffnung durch Univ.-Prof. Dipl.Arch.ETH Dr. Christian Hanus, Dekan der Fakultät für Bildung, Kunst und Architektur der Donau-Universität Krems, Mag. Armin Laussegger, MAS, Landessammlungen Niederösterreich, Dr. Christian Bauer, Landesgalerie Niederösterreich, Mag. Bettina Leidl, ICOM Österreich, Mag. Dr. Wolfgang Muchitsch, Museumsbund Österreich, Dr. Reinhard Resch, Bürgermeister von Krems und Mag. Johanna Mikl-Leitner, Landeshauptfrau von Niederösterreich.

Museen als Stätten der Forschung

In seiner Keynote ging Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Leitender Direktor der Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, auf die Verbindung von Museum und Wissenschaft ein. Dabei stellte er am Beispiel Schleswig heraus, welches Potenzial Museen auch abseits der Ballungszentren für die nationale und internationale wissenschaftliche Vernetzung hätten, besonders als außeruniversitäre Forschungseinrichtung. Beste Chancen würden sich, so Claus von Carnap-Bornheim, durch Identifikation und Füllen von Forschungslücken bieten. So könnten Alleinstellungsmerkmale ausgebildet werden und sich Museen durch sammlungsbezogene Forschung und technisch-museale Kompetenz positionieren. Aus seinem Bereich präsentierte der Experte das Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie und den Ausbau der archäologischen Konservierungs- und Restaurationswerkstätten des Landesmuseums. Gerade in Zeiten von COVID-19 zeige sich, wie empfindlich Museen mit einer rein kulturtouristischen Orientierung seien, betonte Carnap-Bornheim.

ICOM-Speaker Dr. Philipp Blom ging in seinem Vortrag „Museumsethik – Von der Dominanz zum Dialog“ auf die Verantwortung der Museen ein. Gegründet als Schauplätze imperialer Größe und politischer wie kultureller Dominanz müssten sich Museen Rassismusdebatten und dem Vorwurf der postkolonialen Geschichtsumschreibung stellen und der Pluralisierung von sozialen und ökonomischen Räumen Rechnung tragen. Nun strebten Museen danach, integrativer zu werden und die gesellschaftlichen Werte besser zu reflektieren, so Blom, der auch ausführte, wie weit dieser Prozess gehen könne und sollte.

Der Weg zur Gedächtnisinstitution der Zukunft

Im Themenblock „Corporate Object: Neue Sammlungen“ referierte unter anderem Priv.-Doz. Dr. Mag. Martina Griesser-Stermscheg, Abteilungsleiterin Sammlungen im Technisches Museum Wien, über „archuseum 2050 – Sammeln an der Gedächtnisinstitution der Zukunft“. Dabei ging sie von der Hypothese aus, dass bis 2050 Archive, Museen und Bibliotheken auch aufgrund der Digitalisierung zu großen Gedächtnisinstitutionen verschmolzen seien, bei denen es keine Rolle spiele, ob Objekte digital oder analog vorliegen. Griesser-Stermscheg zeigte aktuelle Entwicklungen auf diesem Weg ebenso wie Herausforderungen dabei auf.

Das Objekt und sein digitaler Zwilling

Die Session „Object to go: Digitale Strategien“ verdeutlichte das Spannungsfeld von der scheinbaren Wahrhaftigkeit des Objekts auf der einen Seite und der Rolle ihres digitalen Pendants. Dieser Problematik widmete sich Dr. Dennis Niewerth, Deutsches Schifffahrtsmuseum Bremerhaven, in seinem Eingangsvortrag „Entgrenzen? Abgrenzen? Eingrenzen? Über digitale Objekte als Ausstellungsgegenstände und die Originalität der Kopie“. Dabei ging Niewerth auf die Charakteristika digitaler „Objekte“ ein, die aufgrund ihrer temporären Natur nur die Gegenwart abbilden könnten und in ihrer Inszenierung als virtuelles Ausstellungsobjekt immer einer Medienpraxis unterlägen. Hier flößen sowohl technische Vorgaben und Limitierungen ebenso wie kuratorische Entscheidungen ein, so Niewerth. Unter dem Titel „Täglich geöffnet: das digitale Museum“ sprach Dr. Sabine Haag, Generaldirektorin des KHM-Museumsverbandes, über ihre Erfahrungen. Isabella Frick, MA, Dr. Eva Mayr und Mag. Florian Windhager, alle drei vom Department für Kunst- und Kulturwissenschaften der Donau-Universität Krems, stellten ihr Digitalisierungsprojekt vor, in dem die Bestände der Landessammlungen Niederösterreich online erkundbar gemacht werden.

Inter- und transdisziplinäre Zugänge

Der dritte Block „Corporate Object: Gemeinsame Forschungen“ wurde mit dem Vortrag „Vom Objekt zur Politikberatung – vom Wert gemeinsamer Forschung“ von Dr. Katrin Vohland, Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführerin des Naturhistorischen Museums Wien, eröffnet. Sie betonte, dass sich Museen neben ihren „klassischen“ Aufgaben wie Bewahrung und Erforschen von Objekten verstärkt auch gesellschaftlichen Zielen wie Demokratie, Menschenrechte und Inklusion verschrieben. Anknüpfungspunkt für die gesellschaftliche Relevanz der Museen blieben weiterhin die Objekte, die durch inter- und transdisziplinäre Forschung in ihrer Multiperspektivität erschlossen würden, stellte Vohland fest. So würden in die Betrachtung neben den stofflichen Qualitäten beispielsweise auch die Geschichte der Objektwerdung ebenso wie eine gesellschaftliche und kulturelle Kontextualisierung fließen.

Sammlungsexpertise der Donau-Universität Krems

Der Leiter des Zentrums für Museale Sammlungswissenschaften an der Donau-Universität Krems und Leiter der Landessammlungen Niederösterreich, Mag. Armin Laussegger, MAS, schilderte in Anlehnung an den Titel des diesjährigen Österreichischen Museumstages „ORT DER ORIGINALE – Aus der Krise neue Chancen für Museen“, wie seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter die museale Sammlungsarbeit in den letzten Monaten gestaltet haben, wie durch die Schließung von Museen und der Absage vieler Ausstellungsvorhaben mehr Zeit für die Sammlungsarbeit war und spannende Ideen für gemeinsame Forschungsprojekte entwickelt wurden, für deren Umsetzung europäische, nationale und insbesondere auch Forschungsförderprogramme aus Niederösterreich gute Chancen bieten können.

Auszeichnungen der Museumslandschaft

Im Anschluss fanden unter dem Titel „Are you speaking object?“ Objektgespräche in Museen und Ausstellungshäusern der Kunstmeile Krems statt. Im Rahmen des 31. Österreichischen Museumstags wurde auch der Österreichische Museumspreis an das Dom Museum Wien durch Kunst- und Kulturstaatssekretärin Mag. Andrea Mayer verliehen. Weiters wurden auch 57 Museen mit dem Österreichischen Museumsgütesiegel ausgezeichnet. Darunter sind 18 Neuverleihungen und 39 Verlängerungen des Gütesiegels, das fünf Jahre lang gilt. Das Gütesiegel fungiert als öffentlicher Nachweis dafür, dass die Museen die Verantwortung zur Bewahrung des kulturellen Erbes übernehmen, den Code of Ethics for Museums der ICOM (Sammeln, Bewahren, Forschen, Ausstellen und Vermitteln) anerkennen und BesucherInnen eine qualitätsvolle Präsentation erwarten können.

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