Wie lässt sich feststellen, ob ein europaweites Projekt zur Krebsfrüherkennung zu seinen Zielen führt? Die Evaluation von EUCanScreen zeigt, wie Zusammenarbeit, Fortschritte und Herausforderungen sichtbar gemacht werden können.
Krebs zählt in Europa zu den häufigsten Todesursachen: im Jahr 2020 wurden rund 2,7 Millionen Neuerkrankungen und 1,3 Millionen Todesfälle verzeichnet. Zwischen Ländern und Bevölkerungsgruppen zeigen sich große Unterschiede beim Zugang zur Früherkennung. Hier setzt die europäische Initiative EUCanScreen an, die bestehende Screening-Programme verbessert und neue Ansätze in 29 Ländern unterstützt. Mit dem Projekt „Verbesserung der Krebsvorsorge in Europa: Evaluation von EUCanScreen“ unter der Leitung von Ludwig Grillich vom Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation wird EuCanScreen wissenschaftlich begleitet.
Die europäische Gesundheitspolitik hat sich mit dem „Beating Cancer Plan“ zum Ziel gesetzt, 90 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Krebsfrüherkennung bis 2030 zu ermöglichen. Um die Mitgliedstaaten auf diesem Weg zu unterstützen, wurde eine sogenannte Joint Action ins Leben gerufen, an der 29 Länder beteiligt sind. Ein zentrales Element dieses Großprojekts ist die wissenschaftliche Evaluation.
Breiter Methodenmix
Im Mittelpunkt steht die Frage, ob Zusammenarbeit, Strukturen und Management insgesamt wie vorgesehen funktionieren. „Unser Fokus ist: Funktioniert das Konsortium, funktioniert die Zusammenarbeit und erreicht diese Joint Action die Ziele, die sie sich gesetzt haben?“ beschreibt Grillich.
Um diese Aufgabe zu erfüllen, setzt das Team auf einen breiten Methodenmix. Dokumentenanalysen, Interviews, Umfragen, qualitative und quantitative Erhebungen Monitoring bilden die Grundlage. Ein zentrales Instrument ist dabei ein Modell, das die Zusammenhänge zwischen Maßnahmen und Zielerreichung sichtbar macht. „Wir haben ein sogenanntes logisches Modell entwickelt, das erklärt, wie es zu einer optimierten Krebsfrüherkennung in den Mitgliedsländern kommen kann“, erläutert Grillich. „Dieses Modell kann auch als Theory of Change oder Theorie der Veränderung bezeichnet werden“, so Grillich. Es zeigt welche Voraussetzungen es braucht, damit eine Optimierung der Früherkennung in den Mitgliedsländern stattfinden kann.
Die Evaluation versteht sich auch als eine Art Navigationshilfe. „Unser Part liegt vor allem in der Begleitung und Beratung. Wir machen Prozesse sichtbar, sorgen für Transparenz und stellen durch Feedbackprozesse sicher, dass Kommunikation und Zusammenarbeit funktionieren“, sagt Grillich. Durch regelmäßiges Feedback soll sichtbar werden, ob sich das Projekt auf dem richtigen Weg befindet und wo Anpassungen notwendig sind. Entscheidend ist dabei, dass die Evaluation nicht als Kontrolle, sondern als Unterstützung wahrgenommen wird.
Europas Vielfalt fordert
Besonders herausfordernd ist die enorme Vielfalt innerhalb Europas. Unterschiedliche Gesundheitssysteme, politische Strukturen und kulturelle Kontexte erschweren die Zusammenarbeit. Diese Unterschiede betreffen nicht nur organisatorische Fragen, sondern auch grundlegende Herangehensweisen an Prävention und Früherkennung.
Eine weitere Herausforderung ist die mangelnde Einflussnahme auf die politischen Entscheidungsträger_innen in den jeweiligen Staaten. So kann die Joint Action Empfehlungen aussprechen, aber keine verbindlichen Entscheidungen treffen. „Die Joint Action kann Vernetzung betreiben, Awareness schaffen und Wissen generieren, aber inwieweit dieses Wissen umgesetzt wird, da endet die Kontrolle der Joint Action“, betont Grillich.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betrifft die langfristige Wirkung über das Projekt hinaus. Neben der Bewertung der Zielerreichung sollen auch sogenannte „Lernerfahrungen“ generiert werden. Diese können zukünftigen europäischen Kooperationen als Orientierung dienen. „Es braucht nicht nur Wissen darüber, wie man Früherkennung richtig macht, sondern auch darüber, wie dieses Wissen zu politischen Entscheidungen führt“, so Grillich.
Am Ende des Projekts, das bis 2028 läuft, stehen mehrere Zielsetzungen im Raum. Zum einen soll beurteilt werden können, in welchem Ausmaß die gesetzten Ziele erreicht wurden. Zum anderen geht es darum, das Konsortium während der Laufzeit bestmöglich zu unterstützen. „Wenn wir es schaffen, Orientierung zu geben, die Zielerreichung abzubilden und Lernerfahrungen für zukünftige Projekte zu gewinnen, dann sind wir zufrieden. Es soll eine Brücke entstehen vom Wissen der Krebsspezialisten hin zu den Entscheidungsträgern in den jeweiligen Ländern“, fasst Grillich zusammen.
LUDWIG GRILLICH
Mag. Ludwig Grillich ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation sowie sein stellvertretender Leiter. Seine Schwerpunkte in der Forschung sind die Konzeption und Leitung von Evaluationsprojekten.
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