Mit ihrer Forschung hilft Ursula Griebler dem öffentlichen Gesundheitssystem. Seine Vertreter_innen unterstützt sie mit wissenschaftlich fundierten Grundlagen.

Von Ilse Königstetter

Das Thema Ernährung war für Ursula Griebler schon immer faszinierend. Deshalb fiel ihr auch die Wahl der Studienrichtung leicht. Sie entschied sich für ein Studium der Ernährungswissenschaften an der Universität Wien. Weil sie darüber hinaus schon immer den Plan hatte, eine Zeitlang im Ausland zu studieren, ergriff sie 2001 die Chance, im Rahmen eines Erasmus-Programms an die finnische Universität Kuopio zu gehen. Dort graduierte sie mit einem Master of Public Health, ging nach Abschluss des Studiums in Wien wieder dorthin zurück und promovierte 2008 in genetischer Epidemiologie. Nach ihrer Rückkehr nach Österreich war sie drei Jahre am Ludwig Boltzmann Institut für Gesundheitsförderungsforschung beschäftigt. 2009 arbeitete die Wissenschaftlerin zunächst als freie Mitarbeiterin in verschiedenen Projekten am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der Universität für Weiterbildung Krems mit und wechselte 2011 als Senior Researcher ganz dorthin. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in der Evidenzsynthese im Bereich Public Health mit besonderem Fokus auf die Evaluation von Gesundheitsförderungsmaßnahmen sowie auf partizipative Forschungsansätze (Co-Research, Co-Design, Citizen Science) mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen. Zudem forscht sie zu Gesundheitskompetenz und methodischen Fragen, insbesondere im Bereich der Rapid Reviews. „Es ist vor allem die Vielfalt und die sich kontinuierlich verändernden Aufgabengebiete, die die Arbeit am Department so spannend machen“, sagt Ursula Griebler.

Jugendliche als Ko-Forschende

Aktuell haben sie und ihr Team gerade das partizipative Forschungsprojekt „KoKo-Health“ abgeschlossen. Das Projekt lief von Februar 2023 bis Juni 2026 und verfolgte das Ziel, gemeinsam mit den Jugendlichen ein Gesundheitskompetenz-Modell aus deren Sicht zu entwickeln und sie zudem in ihrer Rolle als Ko-Forschende zu stärken. „Wir haben gesehen, dass gemeinsame Forschung funktionieren kann, wenn man flexibel ist. Darüber hinaus bekamen wir einen völlig anderen Blick auf das Thema als bei der Forschung mit Erwachsenen“, beschreibt Ursula Griebler ihre Erfahrungen. Es zeigte sich, dass Jugendliche ein eigenständiges Verständnis von Gesundheitskompetenz haben, das stark auf intuitiven, situativen Entscheidungen und ihrer Lebenswelt basiert. Außerdem stellte sich heraus, dass ihre individuellen Faktoren, wie Informations- und Kommunikationsräume in Offline- und Online-Welten, vertrauensvolle Beziehungen und gesellschaftliche Einflüsse systematisch mitgedacht werden müssen, damit sie Fragen zur Gesundheit einordnen können. Die Ergebnisse sind in ein neues Modell zur Gesundheitskompetenz eingeflossen, das auch geeignet ist, Maßnahmen besser an die Bedürfnisse von Jugendlichen anzupassen.

Gesund oder Gerücht?

Gerade gestartet haben Ursula Griebler und ihr Forschungsteam das Projekt HealthCheckR. Gemeinsam mit Bürger_innen wird ein Tool zum Erkennen verlässlicher Gesundheitsinformationen auf Social Media entwickelt. Personen, die zwischen 13 und 42 Jahre alt sind und regelmäßig Instagram, Tiktok, Facebook, Youtube oder Snapchat nach Tipps und Infos zum Thema Gesundheit durchforsten, sind eingeladen, sich an dem Projekt zu beteiligen. Zu diesem Forschungsvorhaben gibt es bereits ein Vorgängerprojekt „Infos ohne Nebenwirkung“. Im Zuge dessen wurde eine Checkliste mit geprüften Tipps zusammengestellt, die beim Erkennen von verlässlichen Gesundheitsinformationen im Internet helfen sollen.

Info

 

 

Checkliste und Video zu „Infos ohne Nebenwirkung“:
https://www.infos-ohne-nebenwirkung.at/


Projekt Healthcheckr: https://www.healthcheckr.at/

Hinderliche Männlichkeitsnormen

Ein Ende letzten Jahres abgeschlossenes Forschungsprojekt beschäftigte sich mit der Einstellung niederösterreichischer Männer zu Gesundheitsförderungsangeboten. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl körperliche als auch mentale Gesundheit für die Befragten grundsätzlich einen hohen Stellenwert besitzen, im Alltag jedoch häufig nicht entsprechend umgesetzt werden. Die Teilnahmebereitschaft an Gesundheitsförderungsangeboten variiert stark: Einige setzen Gesundheitsförderung bereits eigeninitiativ um, andere stehen angeleiteten Angeboten skeptisch gegenüber, während eine dritte Gruppe zwar interessiert ist, aber noch keine konkreten Schritte gesetzt hat. „Die Gruppe der Unentschlossenen sollte gezielt angesprochen werden, weil sie vermutlich am besten motivierbar ist“; ist die Wissenschaftlerin überzeugt. Als Barrieren zur Teilnahme wurden bei den Interviewten insbesondere geringe persönliche Relevanz, Zeitmangel, unpassende Formate sowie traditionelle Männlichkeitsnormen und Stigmatisierung mentaler Gesundheit identifiziert. Fazit: Männergesundheitsförderung sollte stärker an den Lebenswelten, Interessen und Gewohnheiten der Zielgruppen ausgerichtet werden. In einem Folgeprojekt werden derzeit Workshops mit niederösterreichischen Männern durchgeführt, um Gesundheitsförderungsangebote gemeinsam so weiterzuentwickeln, damit sie für Männer attraktiver sind.

Neben ihren umfangreichen Forschungsarbeiten übt Ursula Griebler auch Lehrtätigkeiten an der Universität für Weiterbildung Krems, in der Cochrane Rapid Reviews Methods Group, dem PhD-Programm des Departments, an der Karl Landsteiner Privatuniversität und der Sigmund Freud Privatuniversität aus. Sie ist Teil des Teams von Cochrane Österreich mit Sitz an der Universität für Weiterbildung Krems am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation. Das Team besteht aus Gesundheitsfachleuten mit Kompetenzen in Studienmethodik, Epidemiologie und Statistik. Künftig möchte die Wissenschaftlerin Public Health und methodisches Forschen weiter forcieren sowie im Department gezielt einen Bereich mit evidenzbasierter Gesundheitsförderung aufbauen.


URSULA GRIEBLER
Mag.a Ursula Griebler, PHD MPH studierte Ernährungswissenschaften an der Universität Wien, absolvierte einen Master of Public Health an der Universität Kuopio, Finnland und promovierte in genetischer Epidemiologie. Von 2008 bis 2011 war sie Postdoktorandin und Senior Researcher am Ludwig Boltzmann Institut Health Promotion Research in Wien. Seit 2011 ist sie Senior Researcher am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation der Universität für Weiterbildung Krems. Sie ist Co-Convenor der Cochrane Rapid Review Methods Ggroup, Vorstandsmitglied bei der Österreichischen Gesellschaft für Public Health (ÖGPH) sowie im Leitungskomitee der Sektion Gesundheitsförderung der European Public Health Association (EUPHA) vertreten.

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